Kategorie: KM-Boot M1074 TÜBINGEN
M 1074 TÜBINGEN – Küstenminensuchboot und Minenjagdboot der Lindau-Klasse
Die TÜBINGEN mit der Kennung M 1074 gehörte zu den 18 Küstenminensuchbooten der Lindau-Klasse, Klasse 320. Nach fast 17 Jahren im ursprünglichen Minensuchdienst wurde sie umfassend zum Minenjagdboot der Klasse 331B umgebaut und blieb anschließend bis 1997 bei der Deutschen Marine im Einsatz.
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Die TÜBINGEN entstand bei der Burmester-Werft in Bremen-Burg unter der Baunummer 5435. Der Stapellauf erfolgte am 12. August 1957. Am 25. September 1958 wurde das Boot bei der Bundesmarine in Dienst gestellt.
Dienst als Küstenminensuchboot
Die TÜBINGEN wurde zunächst als klassisches Küstenminensuchboot der Klasse 320 eingesetzt. Ihre Aufgabe bestand darin, Seeminen in Küstengewässern, Hafenzufahrten und wichtigen Schifffahrtswegen aufzuspüren und zu räumen.
Nach ihrer Indienststellung gehörte die TÜBINGEN zum 6. Minensuchgeschwader in Cuxhaven. Die Boote des Verbandes wurden insbesondere in der Nordsee eingesetzt. Später verlegte das Geschwader nach Wilhelmshaven.
Wie alle Einheiten der Lindau-Klasse besaß die TÜBINGEN einen weitgehend amagnetischen Holzrumpf. Der mehrschichtige Rumpfaufbau aus verschiedenen Holzarten sollte das magnetische Eigenfeld des Bootes möglichst gering halten und damit das Risiko beim Einsatz gegen magnetisch ausgelöste Minen vermindern.
Umbau zum Minenjagdboot
Am 30. Mai 1975 wurde die TÜBINGEN für den Umbau zum Minenjagdboot außer Dienst gestellt. Nach umfangreicher Modernisierung wurde sie am 20. März 1978 als Minenjagdboot der Klasse 331B wieder in Dienst gestellt.
Mit dem Umbau änderte sich das Einsatzverfahren grundlegend. Als Küstenminensuchboot hatte die TÜBINGEN größere Seegebiete mit verschiedenen Räumgeräten bearbeitet. Als Minenjagdboot konnte sie nun einzelne verdächtige Unterwasserobjekte gezielt suchen, klassifizieren und bekämpfen.
Zur Ausrüstung der umgebauten Boote gehörten ein Minenjagdsonar sowie ferngelenkte Minenjagddrohnen. Diese konnten vom Boot aus zu einem georteten Objekt geführt werden, um eine Mine genauer zu untersuchen und mit einer Sprengladung unschädlich zu machen.
Die TÜBINGEN behielt auch nach dem Umbau ihren Namen und ihre Kennung M 1074.
Einsatz als Minenjagdboot
Als Minenjagdboot gehörte die TÜBINGEN zum 4. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven. Die zum Minenjagdboot umgebauten Einheiten der Lindau-Klasse wurden dort zusammengefasst, während die späteren Hohlstablenkboote im 6. Minensuchgeschwader dienten.
Während ihrer langen Dienstzeit nahm die TÜBINGEN an zahlreichen Übungen, Ausbildungsfahrten und Minenabwehrvorhaben teil. Die Verbindung zur namensgebenden Stadt Tübingen wurde durch eine Patenschaft mit gegenseitigen Besuchen und Geschenken gepflegt. Ein Modell des Bootes befindet sich im Tübinger Rathaus; auch die frühere Schiffsuhr gelangte später in den Besitz des Stadtmuseums.
Außerdienststellung und Verkauf
Am 26. Juni 1997 wurde die TÜBINGEN nach fast 39 Dienstjahren endgültig außer Dienst gestellt. Sie wurde anschließend verkauft und gelangte in privaten Besitz.
Anders als zahlreiche Schwesterschiffe wurde die ehemalige TÜBINGEN nicht an eine ausländische Marine übergeben. Ein italienischer Eigentümer ließ das frühere Minenjagdboot zu einer privaten Motoryacht umbauen. Dabei blieb das äußere Erscheinungsbild des Bootes in wesentlichen Teilen erkennbar.
Verbleib
Das weitere Schicksal der ehemaligen TÜBINGEN war lange Zeit nur unvollständig dokumentiert. Im Mai 2023 wurde das zum privaten Schiff umgebaute Boot jedoch in Neapel gesichtet. Es fuhr zu diesem Zeitpunkt unter der Flagge Gibraltars und führte weiterhin den Namen TÜBINGEN.
Damit gehört die TÜBINGEN zu den wenigen Einheiten der Lindau-Klasse, deren Rumpf auch Jahrzehnte nach der Außerdienststellung noch erhalten war – wenn auch nicht mehr als Marineschiff, sondern als privat genutzte Motoryacht.
Technische und historische Einordnung
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Name: TÜBINGEN
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Kennung: M 1074
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Ursprüngliche Klasse: Klasse 320 – Lindau-Klasse
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Ursprüngliche Verwendung: Küstenminensuchboot
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Spätere Klasse: Klasse 331B
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Spätere Verwendung: Minenjagdboot
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Bauwerft: Burmester-Werft, Bremen-Burg
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Baunummer: 5435
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Stapellauf: 12. August 1957
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Indienststellung: 25. September 1958
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Außerdienststellung vor dem Umbau: 30. Mai 1975
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Wiederindienststellung als Minenjagdboot: 20. März 1978
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Endgültige Außerdienststellung: 26. Juni 1997
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Verbleib: Verkauf an einen privaten Eigentümer und Umbau zur Motoryacht
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Letzter belegter Hinweis: Sichtung im Mai 2023 in Neapel
Die TÜBINGEN steht beispielhaft für die erfolgreiche Modernisierung der Lindau-Klasse. Aus einem Küstenminensuchboot der Aufbaujahre wurde ein leistungsfähiges Minenjagdboot, das noch bis in die zweite Hälfte der 1990er-Jahre seinen Dienst versah.
Dass die ehemalige TÜBINGEN anschließend nicht verschrottet, sondern zu einer Motoryacht umgebaut wurde, macht ihre Geschichte innerhalb der Klasse besonders ungewöhnlich.
Ein Stück deutscher Marinegeschichte – für alle, die auf der TÜBINGEN, im 4. Minensuchgeschwader oder zuvor im 6. Minensuchgeschwader ihren Dienst geleistet haben.
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