Kategorie: HL-Boot M1090 PEGNITZ

M 1090 PEGNITZ – Schnelles Minensuchboot der Hameln-Klasse und Hohlstablenkboot der Ensdorf-Klasse

Die M 1090 PEGNITZ gehörte zu den zehn Schnellen Minensuchbooten der Hameln-Klasse (Klasse 343), die gegen Ende des Kalten Krieges für die Bundesmarine entwickelt wurden. Die Boote vereinten die Fähigkeit zum schnellen Verlegen von Seeminen mit umfangreichen Möglichkeiten der Minenabwehr und bildeten den modernsten Minenkampfverband ihrer Zeit.

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Mit dem Wandel der sicherheitspolitischen Lage nach 1990 änderte sich auch das Einsatzprofil der PEGNITZ grundlegend. Sie wurde zu einem Hohlstablenkboot der Ensdorf-Klasse (Klasse 352) umgebaut und diente anschließend als Führungsschiff für die unbemannten Hohlstabräumboote des Typs SEEHUND. Dadurch blieb sie über viele Jahre ein wichtiger Bestandteil der deutschen Minenabwehrkräfte.

Bau und Indienststellung

Die PEGNITZ wurde auf der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut und Anfang der 1990er-Jahre bei der Bundesmarine in Dienst gestellt. Sie erhielt die Kennung M 1090 und wurde dem 5. Minensuchgeschwader zugeteilt.

Namensgeberin war die fränkische Stadt Pegnitz in Oberfranken, die auch die Patenschaft für das Boot übernahm.

Dienst als Schnelles Minensuchboot der Hameln-Klasse

Als Einheit der Klasse 343 war die PEGNITZ sowohl für das schnelle Verlegen von Seeminen als auch für Aufgaben der Minenabwehr vorgesehen. Der amagnetische Stahlrumpf verringerte die Gefahr durch Magnetminen erheblich. Ergänzt wurde die Ausstattung durch Minenmeidesonar, mechanisches Räumgerät sowie Einrichtungen zum Räumen magnetischer und akustischer Minen.

Gemeinsam mit den übrigen Booten der Hameln-Klasse nahm die PEGNITZ regelmäßig an Ausbildungsfahrten, NATO-Manövern und Übungen in Nord- und Ostsee teil. Die Boote der Klasse galten als besonders vielseitig und konnten ihre Aufgaben auch unter erschwerten Einsatzbedingungen erfüllen.

Umbau zum Hohlstablenkboot

Mit der Neuausrichtung der deutschen Minenabwehr wurde die PEGNITZ Anfang der 2000er-Jahre zur Ensdorf-Klasse (Klasse 352) umgebaut. Dabei entfielen die Einrichtungen zum Verlegen von Seeminen. Stattdessen erhielt das Boot moderne Fernlenktechnik zur Führung der unbemannten Hohlstabräumboote vom Typ SEEHUND.

Im Zuge der Modernisierung wurden außerdem das Führungs- und Waffeneinsatzsystem TAKIS, moderne Kommunikationsanlagen sowie die Möglichkeit zum Einsatz der Minenjagddrohne SEEFUCHS integriert. Damit konnte die PEGNITZ sowohl großflächige Minenräumoperationen unterstützen als auch einzelne Minen gezielt aufklären und bekämpfen.

Dienst als Hohlstablenkboot

Nach dem Umbau blieb die PEGNITZ zunächst dem 5. Minensuchgeschwader zugeordnet. Als Hohlstablenkboot führte sie mehrere SEEHUND-Räumboote gleichzeitig und unterstützte zahlreiche nationale und internationale Übungen der NATO.

Die SEEHUND-Räumboote erzeugten magnetische und akustische Signaturen, um Seeminen kontrolliert zur Detonation zu bringen, ohne das bemannte Führungsschiff zu gefährden. Dieses Konzept machte die Ensdorf-Klasse über viele Jahre zu einem wichtigen Baustein der deutschen Minenabwehr.

Die PEGNITZ nahm regelmäßig an multinationalen Übungen im Ostsee- und Nordseeraum teil und war bis zu ihrer Außerdienststellung Bestandteil der Einsatzflottille 1.

Außerdienststellung

Nach mehr als zwei Jahrzehnten im Dienst der Bundesmarine und Deutschen Marine wurde die M 1090 PEGNITZ im Jahr 2015 außer Dienst gestellt. Mit ihrer Außerdienststellung endete zugleich die aktive Laufbahn der Hohlstablenkboote der Ensdorf-Klasse.

Verbleib

Nach der Außerdienststellung wurde die PEGNITZ zunächst aufgelegt. Für ihren weiteren Verbleib liegen derzeit keine vollständig übereinstimmenden und belastbaren Quellen vor. Daher wird im Schiffsfinder bis zu einer eindeutigen Dokumentation auf weitergehende Angaben verzichtet.

Technische Daten

  • Kennung: M 1090

  • Name: PEGNITZ

  • Ursprüngliche Klasse: Klasse 343 – Hameln-Klasse

  • Spätere Klasse: Klasse 352 – Ensdorf-Klasse

  • Typ: Schnelles Minensuchboot, später Hohlstablenkboot

  • Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack

  • Indienststellung: Anfang der 1990er-Jahre

  • Außerdienststellung: 2015

  • Länge: 54,40 Meter

  • Breite: 9,20 Meter

  • Tiefgang: etwa 2,60 Meter

  • Verdrängung: rund 650 Tonnen

  • Antrieb: zwei MTU-Dieselmotoren

  • Höchstgeschwindigkeit: etwa 18 Knoten

  • Besatzung: rund 40 Soldaten

Bedeutung

Die M 1090 PEGNITZ steht beispielhaft für die Weiterentwicklung der deutschen Minenstreitkräfte nach dem Ende des Kalten Krieges. Ursprünglich als modernes Minenkampfboot konzipiert, wurde sie später zu einem spezialisierten Führungsschiff für unbemannte Minenräumsysteme umgebaut. Gemeinsam mit den übrigen Booten der Ensdorf-Klasse trug sie wesentlich dazu bei, die Fähigkeiten der Deutschen Marine im Bereich der modernen Seeminenabwehr bis in die 2010er-Jahre auf einem hohen technischen Niveau zu halten.