Wie ihre Schwesterschiffe SACHSEN und HAMBURG ist die HESSEN auf die weiträumige Luftverteidigung größerer Marineverbände spezialisiert. Ihr Hauptauftrag besteht darin, Flugzeuge, Drohnen und anfliegende Flugkörper frühzeitig zu erkennen, zu verfolgen und gegebenenfalls zu bekämpfen.
Darüber hinaus kann sie multinationale Marineverbände führen, Überwasserschiffe bekämpfen, U-Boote orten und angreifen sowie mit bis zu zwei Bordhubschraubern weit über den unmittelbaren Horizont des Schiffes hinaus operieren.
Die HESSEN erhielt ihre bisher größte historische Bedeutung im Frühjahr 2024. Während der europäischen Operation EUNAVFOR ASPIDES im Roten Meer musste sie erstmals unter realen Gefechtsbedingungen Handelsschiffe und sich selbst gegen angreifende Drohnen und Flugkörper schützen. Dieser Einsatz gilt als erster Kampfeinsatz der Deutschen Marine seit ihrer Gründung im Jahr 1956.
Entwicklung und Bau
Die HESSEN entstand als dritte Einheit des deutschen Fregattenprogramms F124. Die Klasse war als funktionaler Nachfolger der Zerstörer der Lütjens-Klasse vorgesehen, die bis 2003 die weiträumige Flugabwehr der Deutschen Marine getragen hatten.
Der Bau der HESSEN erfolgte bei den Nordseewerken in Emden. Nach Kiellegung, Stapellauf und umfangreicher Werft- und Marineerprobung wurde sie im April 2006 als letzte der drei neuen Luftverteidigungsfregatten in Dienst gestellt.
Beim Bau und bei der Erprobung konnten bereits Erfahrungen aus den beiden zuvor fertiggestellten Schwesterschiffen SACHSEN und HAMBURG berücksichtigt werden.
Indienststellung
Die offizielle Indienststellung der HESSEN erfolgte am 21. April 2006.
Damit war die Sachsen-Klasse vollständig. Die drei Schiffe bildeten nun gemeinsam die Luftverteidigungskomponente der Deutschen Marine und schlossen die nach dem Ende der Lütjens-Klasse entstandene Fähigkeitslücke.
Heimathafen wurde Wilhelmshaven. Dort gehört die HESSEN bis heute zum 2. Fregattengeschwader der Einsatzflottille 2. Die Bundeswehr führt für die Sachsen-Klasse eine Stammbesatzung von 236 Soldatinnen und Soldaten an. Bei eingeschifften Bordhubschraubern kommen etwa 18 Angehörige der Marineflieger hinzu.
Namensgebung und Patenschaft
Namensgeber ist das Bundesland Hessen.
Die Patenschaft verbindet das Schiff und seine Besatzung mit dem Bundesland. Sie wird durch Besuche, gemeinsame Veranstaltungen und regelmäßige Kontakte gepflegt.
Der Name HESSEN besitzt zugleich eine längere deutsche Marinetradition. Bereits frühere deutsche Marinen führten größere Schiffe dieses Namens. Die moderne Fregatte setzt diese Namensgeschichte fort, ohne organisatorisch eine unmittelbare Nachfolge zu den früheren Einheiten darzustellen.
Rolle als Major Air Defender
Innerhalb der NATO werden die Schiffe der Sachsen-Klasse als Major Air Defender bezeichnet.
Diese Einordnung beschreibt ihre Fähigkeit, nicht nur sich selbst, sondern einen vollständigen Marineverband gegen Bedrohungen aus der Luft zu schützen. Die HESSEN kann dabei die Verantwortung für die Luftverteidigung und Luftraumkoordination einer größeren Einsatzgruppe übernehmen.
Zu den möglichen Bedrohungen gehören:
Das SMART-L-Weitbereichsradar kann mehr als 1.000 Luftkontakte gleichzeitig verfolgen und Ziele auf Entfernungen von mehr als 400 Kilometern erfassen.
SMART-L und APAR
Das zentrale Weitbereichssuchsystem der HESSEN ist das SMART-L-Radar auf dem achteren Mast.
SMART-L dient der großräumigen Luftraumüberwachung. Es erkennt Flugziele, bestimmt deren Kurs, Geschwindigkeit und Höhe und stellt die gewonnenen Informationen dem Führungs- und Waffeneinsatzsystem zur Verfügung.
Ergänzt wird es durch das APAR-Multifunktionsradar. APAR besitzt vier fest montierte Antennenflächen und kann mehrere Ziele gleichzeitig präzise verfolgen. Es unterstützt insbesondere die Feuerleitung eigener Flugabwehrflugkörper.
Vereinfacht übernimmt SMART-L die großräumige Suche und Frühwarnung, während APAR ausgewählte Ziele präzise verfolgt und deren Bekämpfung unterstützt.
Führungs- und Waffeneinsatzsystem
Die Sensordaten der HESSEN laufen in der Operationszentrale zusammen.
Dort entsteht ein gemeinsames Lagebild aus:
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Radardaten,
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Sonarinformationen,
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elektronischer Aufklärung,
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Meldungen anderer Schiffe,
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Daten verbündeter Flugzeuge,
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Informationen militärischer Führungsnetze,
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zivilen Schiffs- und Luftverkehrsdaten.
Das Schiff kann dieses Lagebild über taktische Datenverbindungen mit anderen Einheiten teilen. Dadurch ist es möglich, die Luftverteidigung eines weit auseinandergezogenen Verbandes zentral zu koordinieren.
Die Operationszentrale ist daher nicht nur für den Schutz der HESSEN zuständig. Sie kann als Führungszentrum einer gesamten multinationalen Einsatzgruppe dienen.
Senkrechtstartanlage und Flugabwehr
Im Vorschiffsbereich besitzt die HESSEN eine Senkrechtstartanlage vom Typ Mk 41 Vertical Launching System mit 32 Zellen.
Aus ihr können unterschiedliche Flugabwehrflugkörper verschossen werden:
Standard Missile 2
Der Flugkörper SM-2 dient der weiträumigen Bekämpfung von Flugzeugen und anfliegenden Lenkflugkörpern.
Evolved Sea Sparrow Missile
Die ESSM deckt den mittleren Entfernungsbereich ab. In einer einzelnen Startzelle können bis zu vier ESSM in einem gemeinsamen Startbehälter untergebracht werden.
RIM-116 RAM
Für die unmittelbare Selbstverteidigung verfügt die HESSEN über zwei Starter des Systems RIM-116 RAM. Sie befinden sich im Vorschiffsbereich und auf dem Hangar.
RAM bildet die letzte Verteidigungslinie gegen anfliegende Flugkörper, Flugzeuge, Hubschrauber und Drohnen.
Damit verfügt die HESSEN grundsätzlich über eine gestaffelte Flugabwehr aus SM-2, ESSM und RAM.
Seezielbekämpfung
Zur Bekämpfung gegnerischer Überwasserschiffe führt die HESSEN Seezielflugkörper des Typs RGM-84 Harpoon.
Die Flugkörper werden aus seitlich aufgestellten Vierfachstartern verschossen und fliegen ihr Ziel in geringer Höhe über der Wasseroberfläche an.
Zusätzlich besitzt das Schiff ein 76-Millimeter-Geschütz auf dem Vorschiff. Dieses kann gegen:
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Überwasserschiffe,
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kleinere schnelle Boote,
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Luftziele,
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Ziele im Küstenbereich
eingesetzt werden.
Zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen und schwere Maschinengewehre ergänzen die Bewaffnung im Nahbereich.
U-Boot-Jagd
Obwohl die Luftverteidigung der Hauptauftrag ist, besitzt die HESSEN auch Fähigkeiten zur U-Boot-Jagd.
Zur Ausstattung gehören:
Das Bugsonar sucht den Unterwasserraum vor und um das Schiff ab. Ein entdecktes U-Boot kann mit Torpedos vom Schiff oder durch einen Bordhubschrauber bekämpft werden.
Die U-Boot-Jagd-Fähigkeit macht die HESSEN zu einem echten Mehrzweckkampfschiff, auch wenn ihre Sensoren und Waffen hauptsächlich auf die Verbandsflugabwehr ausgerichtet sind.
Bordhubschrauber
Der Hangar bietet Platz für bis zu zwei Bordhubschrauber.
Traditionell wurden auf der Sachsen-Klasse Hubschrauber vom Typ Sea Lynx Mk 88A eingesetzt. Sie erweitern den Aufklärungs- und Wirkungsbereich des Schiffes und übernehmen unter anderem:
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U-Boot-Jagd,
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Aufklärung von Überwasserschiffen,
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Zielzuweisung,
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Transport von Personal und Material,
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Seenotrettung,
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Unterstützung von Boardingoperationen.
Antrieb
Die HESSEN besitzt einen kombinierten Diesel- und Gasturbinenantrieb nach dem CODAG-Prinzip.
Zwei Dieselmotoren ermöglichen eine wirtschaftliche Marschfahrt. Für hohe Geschwindigkeiten kann zusätzlich eine Gasturbine zugeschaltet werden.
Die Gesamtleistung beträgt rund 38.300 Kilowatt beziehungsweise 52.100 PS. Über zwei Propeller erreicht die Fregatte etwa 29 Knoten.
Frühere Einsätze und internationale Verbände
Seit ihrer Indienststellung nahm die HESSEN regelmäßig an NATO-Verbänden, internationalen Übungen und Einsatzfahrten teil.
Ihre Fähigkeiten prädestinieren sie insbesondere für:
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Schutz großer Marineverbände,
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Flugzeugträgerbegleitung,
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Führung der Verbandsflugabwehr,
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Luftraumkoordination,
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Seeraumüberwachung,
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multinationale Gefechtsausbildung.
Die HESSEN wurde mehrfach in amerikanische Flugzeugträgerkampfgruppen integriert. Diese Aufgaben setzten ein besonders hohes Maß an technischer Zuverlässigkeit, taktischer Ausbildung und gegenseitigem Vertrauen voraus.
Flugzeugträgerverband der USS Harry S. Truman 2018
Im Jahr 2018 gehörte die HESSEN zeitweise zum amerikanischen Flugzeugträgerverband um die USS Harry S. Truman.
Dabei übernahm sie Aufgaben in der Luftverteidigung und im Schutz der Kampfgruppe. Die Integration in einen amerikanischen Trägerverband zeigte, dass die Führungs-, Radar- und Waffensysteme der deutschen Fregatte vollständig mit den Verfahren der US Navy zusammenarbeiten konnten.
Die Beteiligung von 2018 bildete zugleich eine wichtige Grundlage für den späteren Einsatz mit der USS Gerald R. Ford.
USS Gerald R. Ford Carrier Strike Group 2022
Im Jahr 2022 wurde die HESSEN in die Flugzeugträgerkampfgruppe um die USS Gerald R. Ford integriert.
Die erste Einsatzfahrt des damals modernsten amerikanischen Flugzeugträgers führte den Verband in den Nordatlantik. Die deutsche Fregatte übernahm Aufgaben beim Schutz und bei der Luftverteidigung der Kampfgruppe.
Der HESSEN wurde dabei die Verantwortung für die gesamte Verbandsflugabwehr und Luftraumkoordination übertragen. Dies war ein erheblicher Vertrauensbeweis der US Navy in die Deutsche Marine und die Fähigkeiten der Klasse 124.
Am 15. November 2022 kehrte die Fregatte nach Wilhelmshaven zurück.
Missile Firing Exercise 2023
Im Jahr 2023 nahm die HESSEN an einer umfangreichen Flugkörperschießübung im Nordmeer teil.
Dabei arbeitete sie eng mit der Fregatte RHEINLAND-PFALZ der Klasse 125 zusammen. Während die HESSEN ihre spezialisierten Fähigkeiten zur Luftverteidigung einbrachte, unterstützten sich beide Schiffe gegenseitig beim Schutz des Verbandes.
Die Schießausbildung diente zugleich der Vorbereitung auf reale Bedrohungslagen und spätere Auslandseinsätze.
NATO-Bereitschaftsverband 2023/2024
Unmittelbar vor ihrem Einsatz im Roten Meer war die HESSEN rund ein halbes Jahr Bestandteil der Standing NATO Maritime Group 1 beziehungsweise der maritimen Very High Readiness Joint Task Force.
Während dieser Zeit trainierte die Besatzung in mehreren NATO-Manövern intensiv:
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Luftverteidigung,
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Verbandsführung,
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Reaktion auf Flugkörperbedrohungen,
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Zusammenarbeit mit Schiffen anderer Nationen,
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Gefechtsabläufe unter hoher Bereitschaft.
Diese intensive Vorbereitung erwies sich wenige Wochen später beim ASPIDES-Einsatz als entscheidend.
Ausgangslage im Roten Meer
Nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem anschließenden Krieg im Gazastreifen begannen die Huthi im Jemen, Handelsschiffe im Roten Meer und im Golf von Aden anzugreifen.
Zum eingesetzten Waffenarsenal gehörten:
Die Angriffe bedrohten eine der wichtigsten internationalen Schifffahrtsrouten zwischen dem Indischen Ozean, dem Roten Meer, dem Suezkanal und Europa.
Als Reaktion richtete die Europäische Union die defensive Operation EUNAVFOR ASPIDES ein. Ihr Auftrag bestand darin, die zivile Handelsschifffahrt gegen Angriffe zu schützen, ohne sich an offensiven Angriffen gegen Ziele an Land zu beteiligen.
Auslaufen zum ASPIDES-Einsatz
Die HESSEN verließ Wilhelmshaven am 8. Februar 2024 und lief zunächst in Richtung Mittelmeer aus. Nach dem entsprechenden Bundestagsmandat trat sie am 23. Februar 2024 offiziell in den Einsatz EUNAVFOR ASPIDES ein.
Der Auftrag gehörte zu den gefährlichsten Aufgaben, die der Deutschen Marine seit ihrer Gründung übertragen worden waren.
Während des Einsatzes befand sich das Schiff permanent in einem Gebiet, in dem jederzeit mit Drohnen- und Flugkörperangriffen gerechnet werden musste.
Erster Waffeneinsatz am 26. Februar 2024
Am 26. Februar 2024 erfasste die HESSEN eine unbemannte Drohne, die sich ohne Freund-Feind-Kennung im direkten Anflug befand.
Nach Abstimmung mit verbündeten Einheiten und den zuständigen Befehlsstellen wurde die Drohne mit Flugabwehrlenkflugkörpern bekämpft. Die eingesetzten Flugkörper erreichten das Ziel jedoch nicht.
Die Bundeswehr führte dies nach erster Bewertung auf einen technischen Fehler an Bord zurück. Der Fehler wurde identifiziert und nach offiziellen Angaben unmittelbar behoben.
In öffentlich geführten Diskussionen wurde das Ziel später mit einer amerikanischen Drohne in Verbindung gebracht. Die offizielle Bundeswehrdarstellung benennt es jedoch lediglich als unbemannte Drohne ohne festgestellte Freund-Feind-Kennung. Für den Schiffsfinder sollte daher nur diese belegte Formulierung verwendet werden.
Erfolgreiche Drohnenabwehr am 27. Februar 2024
Am folgenden Tag, dem 27. Februar 2024, erfasste die HESSEN gegen 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit erneut eine unbemannte Drohne.
Diese wurde erfolgreich bekämpft.
Etwa 15 Minuten später wurde eine zweite Drohne festgestellt, die sich unmittelbar im Anflug auf die HESSEN befand. Auch sie wurde erfolgreich abgeschossen.
Damit hatte ein Schiff der Deutschen Marine erstmals seit 1956 unter realen Gefechtsbedingungen angreifende Luftziele bekämpft.
Weitere Angriffe
Während der gesamten ASPIDES-Mission wehrte die HESSEN insgesamt vier Angriffe der Huthi ab.
Darunter befanden sich Drohnen, die sich im direkten Anflug auf das Schiff befanden. Die Fregatte schützte damit nicht nur begleitete Handelsschiffe, sondern auch ihre eigene Besatzung vor einer unmittelbaren Gefährdung.
Zum Einsatz kamen verschiedene Waffensysteme, deren Auswahl sich nach Entfernung, Flugprofil und Bedrohung richtete.
Die Kampfhandlungen bildeten die erste reale Bewährungsprobe der Sachsen-Klasse seit ihrer Einführung im Jahr 2004.
Kriegsmarsch und Belastung der Besatzung
Während des gesamten Einsatzes fuhr die HESSEN im sogenannten Kriegsmarsch.
Das bedeutete, dass rund um die Uhr ungefähr die Hälfte der etwa 240 Besatzungsangehörigen auf ihren Gefechtsstationen eingesetzt war. Die übrigen Soldatinnen und Soldaten mussten sich bereithalten, um kurzfristig abzulösen oder bei Alarm zusätzliche Aufgaben zu übernehmen.
Die Besatzung lebte über Wochen mit der Möglichkeit eines jederzeitigen Angriffs durch Drohnen, Flugkörper oder Sprengboote.
Der Befehlshaber der Flotte bezeichnete die permanente Gefahr für Leib und Leben als eine Bedrohung, wie sie die Deutsche Marine zuvor nicht erlebt hatte.
Schutz der Handelsschifffahrt
Während der 58 Tage im Einsatzgebiet begleitete die HESSEN 27 Handelsschiffe durch gefährdete Seegebiete.
Dabei schützte sie die Schiffe vor möglichen Angriffen und stellte durch ihre Radar- und Luftverteidigungsanlagen ein umfassendes Lagebild bereit.
Das gesamte ASPIDES-Einsatzgebiet reichte vom südlichen Ende des Suezkanals über das Rote Meer und den Golf von Aden bis in Teile des Persischen Golfs und des Indischen Ozeans.
Die Fläche betrug rund 5,14 Millionen Quadratkilometer.
Munitionsnachversorgung in Dschibuti
Nach mehreren Waffeneinsätzen musste die HESSEN während der Mission neue Artilleriemunition und Flugkörper aufnehmen.
Die Nachversorgung erfolgte im Hafen von Dschibuti. Aufgrund der großen Entfernung zu Deutschland wurde die Munition zum Teil per Lufttransport in die Region gebracht.
Das Schiff lief Dschibuti insgesamt viermal für kurze Versorgungsaufenthalte an. Einer dieser Stopps diente ausdrücklich der Ergänzung des Munitionsbestandes.
Die Nachversorgung zeigte zugleich eine wesentliche Herausforderung moderner Luftverteidigungseinsätze: Die Zahl der an Bord mitgeführten Flugkörper ist begrenzt, während moderne Drohnen- und Flugkörperangriffe in kurzer Zeit erhebliche Munitionsmengen binden können.
Ende des Einsatzes
Am 20. April 2024 begann die HESSEN ihre Passage durch den Suezkanal und beendete damit nach 58 Tagen ihren mandatierten Einsatz im Krisengebiet.
Am 4. Mai 2024 kehrte die Fregatte nach Wilhelmshaven zurück. Rund 800 Familienangehörige und Freunde begrüßten die Besatzung im Marinestützpunkt.
Die Marine bewertete die Mission als erfolgreich erfüllten Auftrag und als historischen Wendepunkt.
Technische Daten
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Schiffstyp: Luftverteidigungsfregatte
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Klasse: Sachsen-Klasse
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Klassenbezeichnung: Klasse 124 beziehungsweise F124
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Kennung: F 221
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Namensgeber: Bundesland Hessen
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Indienststellung: 21. April 2006
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Heimathafen: Wilhelmshaven
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Verbandszugehörigkeit: 2. Fregattengeschwader, Einsatzflottille 2
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Länge über alles: 143 Meter
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Breite: 17,4 Meter
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Tiefgang: 6 Meter
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Verdrängung: etwa 5.800 Tonnen
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Antrieb: CODAG
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Gasturbine: eine
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Dieselmotoren: zwei
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Gesamtleistung: rund 38.300 Kilowatt beziehungsweise 52.100 PS
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Propeller: zwei
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Höchstgeschwindigkeit: etwa 29 Knoten
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Stammbesatzung: rund 236 Personen
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zusätzliches Hubschrauberpersonal: etwa 18 Personen
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Bordhubschrauber: bis zu zwei
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Weitbereichsradar: SMART-L
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Multifunktionsradar: APAR
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Bugsonar: DSQS-21Bmod
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Senkrechtstartanlage: Mk 41 mit 32 Zellen
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weitreichende Flugabwehr: SM-2
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mittlere Flugabwehr: ESSM
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Nahbereichsflugabwehr: zwei RIM-116-RAM-Starter
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Seezielbewaffnung: RGM-84 Harpoon
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Hauptgeschütz: 76-Millimeter-Compact
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weitere Bewaffnung: zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen und schwere Maschinengewehre
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U-Boot-Abwehr: Bugsonar und Leichtgewichtstorpedos
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Täuschkörpersystem: MASS.
Aktueller Status
Die Fregatte HESSEN befindet sich weiterhin im aktiven Dienst der Deutschen Marine und gehört zum 2. Fregattengeschwader in Wilhelmshaven.
Nach dem ASPIDES-Einsatz kehrte sie in den regulären Ausbildungs-, Instandsetzungs- und Bereitschaftsbetrieb der Marine zurück.
Da das Schiff weiterhin aktiv ist, entfallen die Abschnitte Außerdienststellung und Verbleib.
Bedeutung für die Deutsche Marine
Die HESSEN gehört zu den historisch bedeutendsten aktiven Einheiten der Deutschen Marine.
Bereits ihre Einsätze in amerikanischen Flugzeugträgerkampfgruppen zeigten, dass Deutschland mit der Klasse 124 über international anerkannte Fähigkeiten zur Verbandsflugabwehr verfügt.
Die HESSEN übernahm dabei Aufgaben, die ein besonders hohes Vertrauen der US Navy voraussetzten:
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Schutz eines amerikanischen Flugzeugträgers,
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Aufbau des gemeinsamen Luftlagebildes,
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Koordination des Luftraums,
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Verantwortung für die Verbandsflugabwehr.
Der ASPIDES-Einsatz im Jahr 2024 besitzt jedoch noch größere historische Bedeutung.
Erstmals seit der Gründung der Deutschen Marine im Jahr 1956 musste ein deutsches Kriegsschiff in einem realen Kampfeinsatz angreifende Luftziele bekämpfen. Die Besatzung operierte über Wochen unter unmittelbarer Bedrohung durch Drohnen, Seezielflugkörper, ballistische Flugkörper und mögliche Angriffe mit Booten.
Die HESSEN:
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schützte 27 Handelsschiffe,
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wehrte vier Angriffe der Huthi ab,
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schoss mehrere angreifende Drohnen ab,
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musste ihre Flugkörper und Artilleriemunition im Einsatzgebiet ergänzen,
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befand sich 58 Tage im Krisengebiet,
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bewährte erstmals die Flugabwehrsysteme der Klasse 124 unter realen Gefechtsbedingungen.
Der Einsatz zeigte zugleich die Stärken und Grenzen moderner Luftverteidigungsfregatten.
SMART-L und APAR ermöglichten eine frühzeitige Erkennung und genaue Verfolgung der Bedrohungen. Die gestaffelte Bewaffnung stellte unterschiedliche Möglichkeiten für die Bekämpfung bereit.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Zahl der mitgeführten Flugkörper begrenzt ist und selbst vergleichsweise einfache Drohnen wertvolle und teure Flugabwehrmunition binden können.
Die HESSEN wurde damit zum Symbol für den Übergang der Deutschen Marine von überwiegend abschreckender und vorbereitender Bündnisverteidigung zu einem realen, bewaffneten Schutzauftrag unter unmittelbarer Gefechtsgefahr.
Ihre Geschichte ist noch nicht abgeschlossen. Bereits heute steht jedoch fest, dass ihr ASPIDES-Einsatz zu den wichtigsten Kapiteln der deutschen Marinegeschichte seit 1956 gehört.