Kategorie: Fregatte 125 Baden-Württemberg-Klasse

Baden-Württemberg-Klasse – Fregatten der Klasse 125

Die Baden-Württemberg-Klasse, auch als Klasse 125 beziehungsweise F125 bezeichnet, umfasst vier Fregatten der Deutschen Marine. Die zwischen 2019 und 2022 in Dienst gestellten Schiffe gehören zu den größten Überwasserkampfschiffen, die bislang für eine deutsche Marine gebaut wurden.

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Zur Klasse gehören:

  • F 222 BADEN-WÜRTTEMBERG

  • F 223 NORDRHEIN-WESTFALEN

  • F 224 SACHSEN-ANHALT

  • F 225 RHEINLAND-PFALZ

Alle vier Einheiten gehören zum 4. Fregattengeschwader der Einsatzflottille 2 und haben ihren Heimathafen in Wilhelmshaven.

Entwicklung und Einordnung

Die Fregatten der Klasse 125 wurden unter anderen sicherheitspolitischen Voraussetzungen entwickelt als die vorangegangenen deutschen Fregattenklassen.

Während die Bremen-, Brandenburg- und Sachsen-Klasse noch stark durch die Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung, der U-Boot-Jagd und der Begleitung größerer Flottenverbände geprägt waren, lag der ursprüngliche Schwerpunkt der Klasse 125 auf lang andauernden Stabilisierungseinsätzen in weit entfernten Seegebieten.

Dazu zählen insbesondere:

  • Überwachung großer Seegebiete,

  • Durchsetzung von Embargos,

  • Bekämpfung von Piraterie,

  • Schutz der internationalen Schifffahrt,

  • maritime Präsenz in Krisenregionen,

  • Führung multinationaler Verbände,

  • Unterstützung von Spezialkräften und Boardingteams.

Das Einsatzkonzept entstand vor dem Hintergrund der internationalen Missionen, an denen sich die Deutsche Marine seit den 1990er-Jahren zunehmend beteiligte. Die Schiffe sollten über lange Zeiträume in einem Einsatzgebiet bleiben können, ohne regelmäßig zur Instandsetzung nach Deutschland zurückkehren zu müssen.

Mit der Rückkehr der Landes- und Bündnisverteidigung in den Mittelpunkt der deutschen Sicherheitspolitik wird die Klasse inzwischen auch verstärkt für Aufgaben der klassischen Seekriegsführung und für die Zusammenarbeit in NATO-Verbänden herangezogen.

Bauprogramm

Die vier Fregatten wurden durch die Arbeitsgemeinschaft ARGE F125 gebaut, die von thyssenkrupp Marine Systems und der Fr. Lürssen Werft getragen wurde. Der Bau der einzelnen Schiffssektionen erfolgte auf verschiedenen Werften; Zusammenbau, Ausrüstung und Erprobung wurden anschließend arbeitsteilig durchgeführt.

Das Programm war von erheblichen technischen Verzögerungen begleitet. Besonders das Typschiff BADEN-WÜRTTEMBERG musste nach seiner ersten Übergabe nochmals zur Industrie zurückkehren, bevor es endgültig übernommen und 2019 in Dienst gestellt werden konnte.

Die vier Indienststellungen erfolgten schließlich:

  • F 222 BADEN-WÜRTTEMBERG am 17. Juni 2019

  • F 223 NORDRHEIN-WESTFALEN am 10. Juni 2020

  • F 224 SACHSEN-ANHALT am 17. Mai 2021

  • F 225 RHEINLAND-PFALZ am 13. Juli 2022

Mit der Indienststellung der RHEINLAND-PFALZ war die Klasse vollständig in die Deutsche Marine übernommen.

Mehrbesatzungskonzept

Ein wesentliches Merkmal der Klasse 125 ist das Mehrbesatzungskonzept.

Die vier Schiffe werden nicht dauerhaft jeweils einer einzigen Stammbesatzung zugeordnet. Stattdessen stehen dem 4. Fregattengeschwader mehrere Besatzungen zur Verfügung, die unabhängig vom jeweiligen Schiff ausgebildet und eingesetzt werden können.

Die Besatzungen tragen Bezeichnungen aus dem NATO-Alphabet, beispielsweise Alpha, Bravo, Charlie oder Delta. Eine Besatzung kann daher nacheinander auf unterschiedlichen Schiffen der Klasse eingesetzt werden.

Bei einem längeren Einsatz verbleibt das Schiff im Einsatzgebiet, während die Besatzung nach mehreren Monaten in einem geeigneten Hafen ausgewechselt wird. Die ablösende Besatzung übernimmt das Schiff nach einer geregelten Übergabe und führt den Auftrag fort.

Dieses Konzept soll Einsätze von bis zu zwei Jahren ermöglichen, ohne dass das Schiff zwischendurch in seinen deutschen Heimathafen zurückkehren muss. Die Besatzungen wechseln sich grundsätzlich in ungefähr viermonatigen Abständen ab.

Für die Marine bedeutet dies eine deutlich höhere Nutzbarkeit der einzelnen Plattformen. Für die Besatzungen soll gleichzeitig verhindert werden, dass dieselben Soldatinnen und Soldaten während der gesamten Einsatzdauer an Bord bleiben müssen.

Intensivnutzung

Die Fregatten wurden für eine sogenannte Intensivnutzung ausgelegt. Technische Anlagen, Wartungsplanung und Ersatzteilversorgung wurden so konzipiert, dass die Schiffe wesentlich länger als frühere Klassen außerhalb Deutschlands betrieben werden können.

Das Konzept wurde erstmals in großem Umfang durch die BADEN-WÜRTTEMBERG erprobt. Das Schiff verließ Wilhelmshaven am 20. Oktober 2023 und kehrte erst am 11. April 2025 zurück.

Während dieser 540 Tage nahmen nacheinander drei Besatzungen das Schiff in Betrieb. Die Fregatte beteiligte sich zunächst an der UN-Mission UNIFIL vor der libanesischen Küste, führte anschließend gemeinsam mit dem Einsatzgruppenversorger FRANKFURT AM MAIN das Indo-Pacific Deployment 2024 durch und kehrte danach erneut zu UNIFIL zurück.

Während dieser Reise legte die BADEN-WÜRTTEMBERG mehr als 82.000 Seemeilen zurück. Die Marine wertete die Fahrt als praktischen Nachweis dafür, dass das Konzept der Intensivnutzung und des Besatzungswechsels grundsätzlich funktioniert.

Aufgaben und Einsatzprofil

Der ursprüngliche Schwerpunkt der Klasse liegt auf Einsätzen geringer und mittlerer Intensität. Hierzu gehören die dauerhafte Seeraumüberwachung, die Kontrolle von Handelswegen, die Durchsetzung internationaler Sanktionen sowie die Abwehr asymmetrischer Bedrohungen.

Die Schiffe können:

  • große Seegebiete überwachen,

  • verdächtige Fahrzeuge identifizieren und kontrollieren,

  • Handelsschiffe und Nachschubwege schützen,

  • Embargomaßnahmen unterstützen,

  • Piraterie und terroristische Bedrohungen bekämpfen,

  • Spezial- und Boardingkräfte einsetzen,

  • als Führungsschiff eines multinationalen Verbandes dienen.

Das 4. Fregattengeschwader nennt unter anderem die UNIFIL-Mission vor dem Libanon und die NATO-Aktivitäten in der Ägäis als typische Einsatzfelder der Klasse.

Bordeinsatzkräfte und Einsatzboote

Für Stabilisierungs- und Kontrolloperationen besitzen die Schiffe umfangreiche Möglichkeiten zur Einschiffung zusätzlicher Kräfte.

Dazu gehören insbesondere:

  • Boardingteams,

  • Spezialkräfte,

  • Feldjäger,

  • Sprachmittler,

  • Sanitätspersonal,

  • zusätzliche Führungs- und Verbindungselemente.

Die Fregatten verfügen über mehrere große Einsatzboote, die seitlich aus speziellen Bootsnischen zu Wasser gelassen werden können. Mit ihnen lassen sich Kontroll- und Boardingteams auch über größere Entfernungen einsetzen.

Die Boote können außerdem für Rettungs-, Transport- und Verbindungsaufgaben verwendet werden.

Bordhubschrauber und Flugdeck

Die Klasse 125 besitzt ein großes Flugdeck und einen Hangar für bis zu zwei Bordhubschrauber.

Ursprünglich wurden dafür vor allem die Bordhubschrauber des Typs Sea Lynx Mk 88A vorgesehen. Die Hubschrauber dienen unter anderem:

  • der Seeraumüberwachung,

  • der Aufklärung,

  • dem Transport von Personal und Material,

  • der Unterstützung von Boardingoperationen,

  • der Bekämpfung von Überwasserzielen,

  • der Seenotrettung.

Das großzügig ausgelegte Flugdeck ermöglicht auch den Betrieb anderer Hubschraubertypen verbündeter Streitkräfte.

Zusätzlich können unbemannte Luftfahrzeuge zur Aufklärung eingesetzt werden.

Bewaffnung

Die auffälligste Waffe der Klasse ist das 127-Millimeter-Hauptgeschütz auf dem Vorschiff.

Es kann gegen Ziele an Land, auf See und in begrenztem Umfang auch gegen Luftziele eingesetzt werden. Die große Reichweite des Geschützes ermöglicht die Unterstützung von Kräften an Land und die Bekämpfung von Zielen in Küstennähe.

Zur weiteren Bewaffnung gehören:

  • zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen,

  • fünf ferngesteuerte schwere Maschinengewehre im Kaliber 12,7 Millimeter,

  • Seezielflugkörper RGM-84 Harpoon,

  • zwei Starter für den Nahbereichsflugkörper RIM-116 RAM,

  • mehrere Täuschkörperwurfanlagen des Typs MASS.

Die ferngesteuerten schweren Maschinengewehre besitzen eigene optische Sensoren und werden aus der Operationszentrale bedient. Dadurch müssen sich die Bediener bei einer Bedrohung nicht ungeschützt an Oberdeck aufhalten.

Die zahlreichen leichten und mittleren Waffen spiegeln das ursprüngliche Einsatzprofil wider: Die Schiffe sollten insbesondere gegen kleine, schnelle Boote und andere asymmetrische Bedrohungen in Küsten- und Krisengebieten geschützt sein.

Flugabwehr und Weiterentwicklung

Die serienmäßige Flugabwehr der Klasse beruhte zunächst vor allem auf den beiden RAM-Startern zur Selbstverteidigung im Nahbereich.

Im Oktober 2025 erprobte die Marine auf der BADEN-WÜRTTEMBERG erstmals das landgestützte Flugabwehrsystem IRIS-T SLM auf einer deutschen Fregatte. Während der Maritime Firing Exercise vor der norwegischen Küste wurden drei Flugkörper erfolgreich gestartet.

Dabei lieferten die Sensoren der Fregatte Daten für das Raketensystem. Die Erprobung diente dazu, technische Erkenntnisse für eine mögliche spätere Beschaffung und Integration einer leistungsfähigeren Flugabwehr zu gewinnen.

Zum Zeitpunkt der Erprobung handelte es sich noch nicht um eine serienmäßig eingeführte Bewaffnung der gesamten Klasse.

Die Versuche zeigen jedoch, dass die ursprünglich stark auf Stabilisierungsoperationen ausgerichtete Klasse an die veränderten Anforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung angepasst werden soll.

Sensoren und elektronische Kampfführung

Die Klasse verfügt über moderne Radar-, Infrarot- und Aufklärungssysteme.

Zu den wichtigsten Anlagen gehören:

  • Multifunktionsradar TRS-3D/NR,

  • elektronische Aufklärungsanlage KORA 18,

  • optische und infrarotgestützte Zielverfolgungssysteme,

  • 360-Grad-Infrarotüberwachung,

  • Navigationsradare,

  • Freund-Feind-Kennung,

  • Taucher-Detektionssonar.

Das Multifunktionsradar kann nach Angaben der Bundeswehr Ziele in mehr als 250 Kilometern Entfernung erfassen und eine große Zahl von Luft- und Seezielen gleichzeitig verfolgen.

Ein klassisches, weitreichendes U-Boot-Jagdsonar gehört dagegen nicht zur ursprünglichen Hauptausstattung. Dies unterscheidet die Klasse deutlich von früheren deutschen Fregatten, deren Schwerpunkt stärker auf der U-Boot-Jagd lag.

Schutz und Überlebensfähigkeit

Die Fregatten wurden für Einsätze in Gebieten entwickelt, in denen Bedrohungen nicht nur durch andere Kriegsschiffe, sondern auch durch kleine Boote, Saboteure, Taucher oder Angriffe in Häfen entstehen können.

Zum Schutz gehören:

  • stark automatisierte Überwachung der Schiffsbereiche,

  • Kamerasysteme,

  • ferngesteuerte Waffen,

  • Infrarotsensoren,

  • Täuschkörpersysteme,

  • Taucher-Detektionssonar,

  • bauliche Unterteilung und redundante Systeme.

Durch die hohe Automatisierung können viele technische Anlagen von zentralen Leitständen aus überwacht und bedient werden.

Automatisierung und Besatzungsstärke

Trotz ihrer Größe besitzt die Klasse eine vergleichsweise kleine Stammbesatzung von rund 126 Soldatinnen und Soldaten.

Möglich wird dies durch eine weitreichende Automatisierung der Antriebs-, Überwachungs-, Führungs- und Sicherheitssysteme. Frühere deutsche Fregatten benötigten bei geringerer Größe teilweise deutlich mehr Personal.

Zusätzlich zur Stammbesatzung können weitere Kräfte eingeschifft werden. Je nach Auftrag können dadurch deutlich mehr Menschen an Bord leben und arbeiten. Bei der Rückkehr der BADEN-WÜRTTEMBERG aus ihrer Langzeitfahrt im April 2025 befanden sich beispielsweise 154 Personen an Bord, darunter Angehörige einer Bordeinsatzkompanie und einer Bordzahnarztgruppe.

Antrieb

Die Klasse besitzt einen kombinierten dieselelektrischen und Gasturbinenantrieb nach dem CODLAG-Prinzip.

Vier Dieselmotoren erzeugen elektrische Energie. Zwei Elektromotoren treiben die beiden Verstellpropeller bei wirtschaftlicher Marschfahrt an. Für höhere Geschwindigkeiten kann zusätzlich eine Gasturbine zugeschaltet werden.

Die Gesamtleistung beträgt rund 29.000 Kilowatt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei mehr als 26 Knoten.

Ein Bugstrahlruder unterstützt das Manövrieren bei langsamer Fahrt und im Hafen.

Unterbringung und Einsatzdauer

Die Unterkünfte wurden im Vergleich zu älteren Schiffsklassen stärker auf längere Einsätze und kleinere Besatzungen ausgerichtet.

Neben den Räumen der Stammbesatzung stehen zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten für eingeschiffte Kräfte zur Verfügung. Dazu kommen Behandlungsräume, Werkstätten, Führungsräume und Lagerbereiche für längere Einsatzzeiten.

Die Schiffe sollen bis zu zwei Jahre im Einsatzgebiet bleiben können, ohne für planmäßige größere Wartungen nach Deutschland zurückzukehren. Notwendige Arbeiten können teilweise in ausländischen Häfen oder durch vor Ort eingesetzte technische Teams ausgeführt werden.

Das 4. Fregattengeschwader

Alle vier Schiffe bilden gemeinsam mit ihren Besatzungen das 4. Fregattengeschwader in Wilhelmshaven.

Das Geschwader gehört zur Einsatzflottille 2. Es führt vier Fregatten und insgesamt acht für die Klasse vorgesehene Besatzungen.

Sein Auftrag umfasst langfristige Stabilisierungseinsätze, weltweite maritime Präsenz, die Überwachung von Seegebieten, die Sicherung von Nachschubwegen sowie die Führung multinationaler Marineverbände.

Technische Daten

  • Schiffstyp: Fregatte

  • Klasse: Baden-Württemberg-Klasse

  • Klassenbezeichnung: Klasse 125 beziehungsweise F125

  • Anzahl der Einheiten: vier

  • Heimathafen: Wilhelmshaven

  • Verbandszugehörigkeit: 4. Fregattengeschwader, Einsatzflottille 2

  • Länge über alles: 149,5 Meter

  • Breite: 18,8 Meter

  • Tiefgang: 5,4 Meter

  • Verdrängung: etwa 7.200 Tonnen

  • Antrieb: CODLAG

  • Gasturbinen: eine

  • Dieselgeneratoren: vier

  • Elektrofahrmotoren: zwei

  • Gesamtleistung: rund 29.000 Kilowatt

  • Propeller: zwei Verstellpropeller

  • Bugstrahlruder: eines

  • Höchstgeschwindigkeit: mehr als 26 Knoten

  • Stammbesatzung: etwa 126 Personen

  • Bordhubschrauber: bis zu zwei

  • Hauptbewaffnung: ein 127-Millimeter-Geschütz

  • Seezielflugkörper: RGM-84 Harpoon

  • Nahbereichsflugabwehr: RIM-116 RAM

  • weitere Bewaffnung: 27-Millimeter-Maschinenkanonen und ferngesteuerte 12,7-Millimeter-Maschinengewehre

  • Täuschkörpersystem: MASS

Einheiten der Klasse

F 222 BADEN-WÜRTTEMBERG

Typschiff der Klasse und erste Einheit. Die Fregatte wurde am 17. Juni 2019 in Dienst gestellt.

Sie absolvierte von Oktober 2023 bis April 2025 die erste umfassende Langzeitfahrt nach dem Intensivnutzungskonzept. Dabei nahm sie an UNIFIL und am Indo-Pacific Deployment 2024 teil und umrundete mit mehreren wechselnden Besatzungen weite Teile der Erde.

F 223 NORDRHEIN-WESTFALEN

Zweite Einheit der Klasse. Die Indienststellung erfolgte am 10. Juni 2020.

F 224 SACHSEN-ANHALT

Dritte Einheit der Klasse. Sie wurde am 17. Mai 2021 in Dienst gestellt.

Die SACHSEN-ANHALT war außerdem die erste Einheit der Klasse, deren Besatzung eine vollständige Überprüfung der ABC-Abwehr auf einem Schiff des Typs F125 absolvierte.

F 225 RHEINLAND-PFALZ

Vierte und letzte Einheit der Klasse. Ihre Indienststellung erfolgte am 13. Juli 2022.

Mit ihr wurde das Bau- und Indienststellungsprogramm der Baden-Württemberg-Klasse abgeschlossen.

Historische Einordnung

Die Baden-Württemberg-Klasse verkörpert eine besondere Phase der deutschen Marinegeschichte.

Ihre Konzeption entstand in einer Zeit, in der lang andauernde internationale Stabilisierungsmissionen, Pirateriebekämpfung, Embargoüberwachung und Kriseneinsätze das Einsatzbild der Marine bestimmten. Deshalb wurden hohe Reichweite, lange Einsatzdauer, eine reduzierte Besatzung, starke Automatisierung und das Mehrbesatzungskonzept besonders hoch gewichtet.

Die Klasse unterscheidet sich damit deutlich von älteren Fregatten, die stärker für U-Boot-Jagd, Flugabwehr und die klassische Auseinandersetzung mit gleichwertigen gegnerischen Seestreitkräften ausgelegt waren.

Die veränderte Sicherheitslage in Europa führt inzwischen zu einer Erweiterung des ursprünglichen Einsatzprofils. Übungen zur Landes- und Bündnisverteidigung sowie die Erprobung neuer Flugabwehrsysteme zeigen, dass die Klasse zunehmend auch für intensivere militärische Auseinandersetzungen befähigt werden soll.

Die Langzeitfahrt der BADEN-WÜRTTEMBERG von 2023 bis 2025 stellte zugleich den ersten großen praktischen Nachweis für das außergewöhnliche Nutzungs- und Besatzungskonzept dar.

Die Klasse 125 bildet damit den Übergang zwischen der international ausgerichteten Einsatzmarine der Jahrzehnte nach dem Kalten Krieg und einer Marine, die erneut stärker auf Landes- und Bündnisverteidigung vorbereitet werden muss.