Kategorie: Fregatte 122 BREMEN-Klasse
Fregatte 122 BREMEN-Klasse
Die acht Fregatten der Bremen-Klasse bildeten über drei Jahrzehnte einen wesentlichen Bestandteil der Bundesmarine und später der Deutschen Marine. Sie waren die ersten deutschen Fregatten, die von Beginn an als vielseitige, hochseefähige Kampfschiffe mit Bordhubschraubern und Flugkörperbewaffnung ausgelegt wurden.
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Zwischen 1982 und 1990 in Dienst gestellt, lösten sie ältere Einheiten der Köln-Klasse ab. Ihr ursprünglicher Schwerpunkt lag auf der U-Boot-Jagd und der Sicherung alliierter Verbände im Nordatlantik. Mit dem Wandel der sicherheitspolitischen Lage entwickelten sie sich jedoch zu echten Mehrzweckfregatten, die weltweit für Überwachung, Geleitschutz, Embargooperationen und internationale Marineeinsätze eingesetzt wurden.
Zur Bremen-Klasse gehörten:
- F 207 BREMEN
- F 208 NIEDERSACHSEN
- F 209 RHEINLAND-PFALZ
- F 210 EMDEN
- F 211 KÖLN
- F 212 KARLSRUHE
- F 213 AUGSBURG
- F 214 LÜBECK
Entwicklung einer neuen Fregattengeneration
Die Klasse 122 entstand in den 1970er-Jahren als deutscher Beitrag zu einer neuen Generation westlicher Fregatten. Konstruktive Grundlagen lieferte der niederländische Entwurf der Kortenaer-Klasse, der für die Anforderungen der Bundesmarine angepasst wurde.
Im Vergleich zu den älteren Geleitbooten und Fregatten verfügten die Neubauten über deutlich leistungsfähigere Ortungs-, Führungs- und Waffensysteme. Besonders wichtig war die Fähigkeit, zwei Bordhubschrauber mitzuführen. Dadurch konnten U-Boote auch weit außerhalb der Reichweite der schiffseigenen Sensoren aufgespürt und bekämpft werden.
Die Schiffe erhielten einen geräumigen Hangar und ein großes Flugdeck für zwei Hubschrauber des Typs Westland Sea Lynx Mk 88. Diese waren mit Sonar, Radar und U-Jagd-Torpedos ausgerüstet und gehörten zu den wichtigsten Einsatzmitteln der Fregatten.
Antrieb und Seeverhalten
Die Bremen-Klasse verfügte über einen kombinierten Diesel- und Gasturbinenantrieb. Für wirtschaftliche Marschfahrt wurden Dieselmotoren genutzt, während für hohe Geschwindigkeiten Gasturbinen zugeschaltet werden konnten.
Dieses als CODOG – Combined Diesel or Gas bezeichnete Antriebssystem ermöglichte sowohl eine große Reichweite als auch Geschwindigkeiten von etwa 30 Knoten. Damit konnten die Fregatten schnell zu Einsatzgebieten verlegen und mit Flugzeugträger-, Amphibik- oder Versorgungsschiffverbänden operieren.
Die markante Silhouette mit dem hohen Brückenaufbau, den beiden Masten, dem breiten Schornstein und dem großen Hubschrauberhangar machte die Bremen-Klasse über Jahrzehnte unverwechselbar.
Bewaffnung und Ausrüstung
Die Bewaffnung war auf den Kampf gegen See-, Luft- und Unterwasserziele ausgerichtet. Zur ursprünglichen Ausstattung gehörten unter anderem:
- ein 76-mm-Mehrzweckgeschütz,
- Seezielflugkörper des Typs Exocet,
- Flugabwehrflugkörper,
- leichte Flugabwehrgeschütze,
- Torpedorohre für U-Jagd-Torpedos,
- zwei Bordhubschrauber Sea Lynx.
Im Laufe der langen Dienstzeit wurden Sensoren, Kommunikationsanlagen, elektronische Kampfführung und Bewaffnung mehrfach modernisiert. Zu den späteren Ergänzungen gehörte das Flugkörperabwehrsystem RAM, das den Eigenschutz gegen anfliegende Flugkörper deutlich verbesserte.
Die Fregatten verfügten außerdem über umfangreiche Radar- und Sonaranlagen. Zusammen mit den Bordhubschraubern konnten sie große Seegebiete überwachen und gegnerische U-Boote über weite Entfernungen verfolgen.
Dienst in Wilhelmshaven
Die Einheiten der Bremen-Klasse waren in Wilhelmshaven stationiert und über viele Jahre im 4. Fregattengeschwader zusammengefasst. Von dort aus nahmen sie an zahlreichen nationalen und internationalen Übungen sowie an ständigen NATO-Verbänden teil.
Während des Kalten Krieges stand vor allem der Schutz der Verbindungslinien zwischen Nordamerika und Europa im Mittelpunkt. Die Schiffe übten regelmäßig in Nordsee, Nordatlantik, Ostsee und im Seegebiet vor Norwegen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung veränderte sich das Einsatzprofil grundlegend. An die Stelle der klassischen Landes- und Bündnisverteidigung traten zunehmend internationale Krisenreaktions- und Stabilisierungsaufgaben.
Weltweite Einsätze
Die Fregatten der Klasse 122 gehörten zu den am häufigsten eingesetzten Schiffen der Deutschen Marine. Sie nahmen unter anderem an Embargoüberwachungen in der Adria, an Einsätzen im Mittelmeer, am Horn von Afrika und im Indischen Ozean teil.
Einheiten der Klasse wurden unter anderem eingesetzt bei:
- der Überwachung des Embargos gegen das ehemalige Jugoslawien,
- Operation Enduring Freedom,
- Operation Active Endeavour im Mittelmeer,
- der UN-Mission UNIFIL vor dem Libanon,
- der EU-geführten Antipirateriemission Atalanta am Horn von Afrika.
Hinzu kamen zahlreiche Ausbildungsreisen, Hafenbesuche, NATO-Manöver und Einsätze in internationalen Flottenverbänden. Dadurch zeigten die Schiffe weltweit Präsenz und vertraten die Bundesrepublik Deutschland in vielen Ländern.
Außerdienststellung
Mit zunehmendem Alter stieg der technische und personelle Aufwand für den Betrieb der Schiffe. Ab 2012 begann die schrittweise Außerdienststellung der Klasse. Ihre Aufgaben wurden zunächst von den Fregatten der Brandenburg- und Sachsen-Klasse sowie später von den neuen Fregatten der Baden-Württemberg-Klasse übernommen.
Die Dienstzeit der Bremen-Klasse endete in folgender Reihenfolge:
- F 207 BREMEN – 2014 außer Dienst
- F 208 NIEDERSACHSEN – 2015 außer Dienst
- F 209 RHEINLAND-PFALZ – 2013 außer Dienst
- F 210 EMDEN – 2013 außer Dienst
- F 211 KÖLN – 2012 außer Dienst
- F 212 KARLSRUHE – 2017 außer Dienst
- F 213 AUGSBURG – 2019 außer Dienst
- F 214 LÜBECK – 2022 außer Dienst
Mit der Außerdienststellung der LÜBECK endete nach rund vier Jahrzehnten die Geschichte einer der prägendsten Fregattenklassen der Bundesmarine und Deutschen Marine.
Technische Daten der Bremen-Klasse
Schiffstyp: Fregatte
Klasse: 122
Einheiten: 8
Länge: etwa 130,5 Meter
Breite: etwa 14,6 Meter
Verdrängung: rund 3.700 Tonnen
Antrieb: kombinierter Diesel- und Gasturbinenantrieb, CODOG
Geschwindigkeit: etwa 30 Knoten
Besatzung: rund 200 bis 220 Soldaten
Bordhubschrauber: bis zu zwei Sea Lynx Mk 88
Hauptaufgaben: U-Boot-Jagd, Seeraumüberwachung, Geleitschutz und internationale Marineeinsätze
Von Kameraden für Kameraden
Die Fregatten der Bremen-Klasse waren für mehrere Generationen von Marinesoldaten Arbeitsplatz, Zuhause und ein prägender Teil ihres Lebens. Ihre Besatzungen erlebten den Übergang vom Kalten Krieg zu den weltweiten Einsätzen der Deutschen Marine unmittelbar mit.
Ob auf der Brücke, in der Operationszentrale, im Maschinenraum, auf dem Flugdeck oder in den zahlreichen technischen und seemännischen Bereichen – nur das Zusammenspiel der gesamten Besatzung machte den Einsatz eines solchen Schiffes möglich.
Unsere Artikel zur Bremen-Klasse erinnern an acht Fregatten, die über Jahrzehnte das Bild der deutschen Flotte mitbestimmten. Sie stehen für lange Seewachen, anspruchsvolle Einsätze, gelebte Seemannschaft und eine Kameradschaft, die weit über die aktive Dienstzeit hinaus Bestand hat.
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