Kategorie: Fregatte F213 AUGSBURG

F 213 AUGSBURG – Fregatte der Bremen-Klasse

Die Fregatte AUGSBURG mit der Kennung F 213 war die siebte Einheit der Bremen-Klasse, Klasse 122. Sie gehörte zu den am längsten im Dienst verbliebenen Schiffen ihrer Klasse und wurde während ihrer 30-jährigen Laufbahn für nahezu das gesamte Einsatzspektrum der Bundesmarine und späteren Deutschen Marine verwendet.

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Ursprünglich war die AUGSBURG vor allem für die U-Boot-Jagd, den Geleitschutz und die Sicherung der Seewege im Nordatlantik vorgesehen. Nach dem Ende des Kalten Krieges verlagerte sich ihr Einsatzprofil zunehmend auf internationale Krisen- und Stabilisierungsmissionen, die Bekämpfung der Piraterie, die Überwachung von Seegebieten und den Schutz größerer multinationaler Flottenverbände.

Besondere Bekanntheit erlangte sie als Begleitschiff des französischen Flugzeugträgers CHARLES DE GAULLE. Aufgrund ihrer Kennung F 213 und in Anlehnung an die Figuren der Augsburger Puppenkiste trug sie innerhalb der Marine den Beinamen „Wilde 13“.

Bau und Indienststellung

Die AUGSBURG wurde bei der Bremer Vulkan AG in Bremen-Vegesack gebaut. Ihre Kiellegung erfolgte am 4. April 1987, der Stapellauf am 17. September 1987.

Am 3. Oktober 1989 wurde die Fregatte für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Sie erhielt die Kennung F 213 und das Rufzeichen DRAN. Heimathafen war Wilhelmshaven.

Die Indienststellung fiel auf einen historisch bemerkenswerten Zeitpunkt: Nur wenige Wochen später öffnete sich die innerdeutsche Grenze. Die AUGSBURG war damit eines der letzten größeren Kampfschiffe, die noch unter den sicherheitspolitischen Bedingungen des Kalten Krieges für die Bundesmarine in Dienst gestellt wurden.

Namensgebung und Patenschaft

Namensgeber war die bayerisch-schwäbische Stadt Augsburg. Die Fregatte führte den Namen in der Tradition früherer deutscher Marineschiffe.

Zu ihren Namensvorgängern gehörten der Kleine Kreuzer AUGSBURG der Kaiserlichen Marine und die 1962 in Dienst gestellte Fregatte F 222 AUGSBURG der Köln-Klasse. Die Verbindung zur Patenstadt wurde während der gesamten Dienstzeit durch gegenseitige Besuche und Begegnungen zwischen Besatzung und Stadt gepflegt.

Einordnung in die Bremen-Klasse

Die Fregatten der Bremen-Klasse wurden als vielseitige Geleit- und U-Boot-Jagdschiffe entwickelt. Ihr ursprünglicher Hauptauftrag bestand darin, alliierte Seeverbindungen zu schützen, gegnerische U-Boote aufzuspüren und Überwasserschiffe sowie Konvois zu begleiten.

Eine wesentliche Stärke der Klasse war die Möglichkeit, bis zu zwei Bordhubschrauber vom Typ Sea Lynx mitzuführen. Dadurch konnten U-Boote und Überwasserziele weit außerhalb der Reichweite der bordeigenen Sensoren aufgeklärt und bekämpft werden.

Die AUGSBURG verfügte außerdem über Flugkörper gegen See- und Luftziele, ein 76-Millimeter-Schiffsgeschütz, Torpedos sowie umfangreiche Radar-, Sonar- und elektronische Führungs- und Selbstschutzanlagen. Im Verlauf ihrer Dienstzeit wurde die technische Ausstattung mehrfach modernisiert.

Verbandszugehörigkeit

Nach ihrer Indienststellung gehörte die AUGSBURG zunächst zum 2. Fregattengeschwader in Wilhelmshaven.

Im Zuge der Umgliederung der Marine wurde sie am 9. Januar 2006 dem 4. Fregattengeschwader zugeordnet. Dieses gehörte zur Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven. Dort waren die großen Fregatten und Versorgungsschiffe der Deutschen Marine zusammengefasst.

Dienst während des Kalten Krieges

Die ersten Dienstjahre der AUGSBURG waren noch durch das klassische Aufgabenbild der Bundesmarine geprägt. Dazu gehörten:

  • U-Boot-Jagd in Nordsee und Nordatlantik,

  • Geleitschutz für militärische und zivile Schiffsverbände,

  • Sicherung der transatlantischen Nachschubwege,

  • Teilnahme an NATO-Manövern,

  • Seeraumüberwachung,

  • Ausbildung innerhalb multinationaler Verbände.

Durch ihre Indienststellung im Oktober 1989 erlebte die AUGSBURG dieses ursprüngliche Einsatzprofil jedoch nur für kurze Zeit. Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts begann auch für sie der Übergang von einem hauptsächlich auf Bündnisverteidigung ausgerichteten Schiff zu einer weltweit einsetzbaren Fregatte.

Internationale Einsätze nach dem Kalten Krieg

In den folgenden Jahrzehnten nahm die AUGSBURG regelmäßig an NATO-Verbänden, multinationalen Ausbildungsreisen und Auslandseinsätzen teil.

Sie wurde unter anderem im Mittelmeer, im Indischen Ozean und am Horn von Afrika eingesetzt. Dort übernahm sie Aufgaben in der Seeraumüberwachung, beim Schutz der internationalen Schifffahrt und bei der Sicherung von Handels- und Versorgungswegen.

Mehrfach gehörte sie zu den deutschen Beiträgen der Operation Enduring Freedom und später zur EU-geführten Operation Atalanta.

Operation Atalanta 2013

Am 13. März 2013 verließ die AUGSBURG Wilhelmshaven, um an der EU-geführten Operation Atalanta am Horn von Afrika teilzunehmen.

Ziel der Operation war es, die Schiffe des Welternährungsprogramms und der Afrikanischen Union zu schützen, Piratenangriffe zu verhindern und die internationale Handelsschifffahrt vor der Küste Somalias sowie im Golf von Aden zu sichern.

Die AUGSBURG operierte mehrere Monate im Seegebiet vor Somalia und im westlichen Indischen Ozean. Neben der Überwachung der Schifffahrtswege gehörten die Aufklärung verdächtiger Fahrzeuge und die Abschreckung möglicher Piraten zu ihren Aufgaben.

Am 30. August 2013 kehrte die Fregatte nach rund fünfeinhalb Monaten Einsatz in ihren Heimathafen Wilhelmshaven zurück.

Ausbildungsverband 2014

Am 11. Februar 2014 lief die AUGSBURG gemeinsam mit mehreren weiteren Einheiten der Deutschen Marine zu einer umfangreichen Ausbildungsreise aus.

Der Verband operierte zwischen dem Nordpolarkreis und dem Äquator und besuchte zahlreiche Häfen in verschiedenen Ländern. Die Fahrt diente der Ausbildung der Besatzungen, der Zusammenarbeit mit verbündeten und befreundeten Marinen sowie der deutschen Präsenz in internationalen Seegebieten.

Schutz des Spezialschiffes CAPE RAY

Im April 2014 wurde die AUGSBURG vorübergehend aus dem Ausbildungsverband herausgelöst und in das östliche Mittelmeer beordert.

Dort übernahm sie Sicherungsaufgaben für das amerikanische Spezialschiff MV CAPE RAY. Dieses Schiff war für die Vernichtung syrischer Chemiewaffen ausgerüstet worden.

Die AUGSBURG trug dazu bei, das Spezialschiff während seiner gefährlichen und politisch bedeutenden Mission gegen mögliche Bedrohungen zu schützen.

Operation Sophia und erster Einsatz mit der CHARLES DE GAULLE

Am 20. November 2015 lief die AUGSBURG gemeinsam mit dem Einsatzgruppenversorger BERLIN aus Wilhelmshaven aus. Ursprünglich war ihre Teilnahme an der europäischen Mission EUNAVFOR MED – Operation Sophia im Mittelmeer vorgesehen.

Diese Mission richtete sich gegen Schleusernetzwerke, die Flüchtlinge und Migranten unter lebensgefährlichen Bedingungen über das Mittelmeer transportierten. Die Schiffe überwachten das Seegebiet, sammelten Erkenntnisse über Schleuseraktivitäten und waren zugleich zur Seenotrettung verpflichtet.

Nach den Terroranschlägen von Paris im November 2015 änderte sich der Auftrag der AUGSBURG jedoch kurzfristig.

Innerhalb weniger Tage wurde das Schiff für den Einsatz in einem französisch geführten Flugzeugträgerverband vorbereitet. Ab 6. Dezember 2015 begleitete die AUGSBURG den französischen Flugzeugträger CHARLES DE GAULLE während dessen Operationen gegen den sogenannten „Islamischen Staat“.

Die Fregatte hatte die Aufgabe, den Flugzeugträger gegen Bedrohungen aus der Luft, von Überwasserschiffen und insbesondere durch U-Boote zu schützen. Dadurch sollte die CHARLES DE GAULLE ihre Kampf- und Aufklärungsflugzeuge sicher einsetzen können.

Für den neuen Auftrag musste die Besatzung das Schiff innerhalb von nur vier Tagen umrüsten und einsatzbereit machen.

Die AUGSBURG blieb bis März 2016 im Verband. Nach 126 Tagen Abwesenheit und rund 23.000 zurückgelegten Seemeilen kehrte sie am 24. März 2016 nach Wilhelmshaven zurück. Für ihre Leistungen wurden Angehörige der Besatzung mit der französischen Überseemedaille ausgezeichnet.

Zweiter Einsatz mit der CHARLES DE GAULLE

Bereits am 30. August 2016 lief die AUGSBURG erneut aus Wilhelmshaven aus, um sich abermals einem von der CHARLES DE GAULLE geführten multinationalen Verband anzuschließen.

Die Fregatte übernahm erneut Aufgaben im Geleit- und Nahbereichsschutz des Flugzeugträgers. Dabei stand insbesondere die U-Boot-Abwehr im Mittelpunkt. Die AUGSBURG sollte dem Träger die notwendige Bewegungs- und Operationsfreiheit für den Einsatz seiner Flugzeuge ermöglichen.

Neben deutschen und französischen Einheiten gehörten auch amerikanische Schiffe zum Verband.

Nach Abschluss des Trägereinsatzes beteiligte sich die AUGSBURG zeitweise an der NATO-Operation Sea Guardian zur maritimen Überwachung des Mittelmeeres.

Am 25. November 2016 kehrte das Schiff nach Wilhelmshaven zurück. Während dieses Einsatzes hatte es rund 22.000 Seemeilen zurückgelegt.

Die beiden Einsätze im Verband der CHARLES DE GAULLE gehörten zu den bedeutendsten Abschnitten der Dienstzeit der AUGSBURG. Sie zeigten zugleich, dass die ursprünglich für die U-Boot-Jagd im Nordatlantik entwickelte Bremen-Klasse auch Jahrzehnte später noch wirkungsvoll in moderne multinationale Kampfverbände integriert werden konnte.

Operation Sophia 2018/2019

Am 17. September 2018 lief die AUGSBURG erneut aus Wilhelmshaven aus und wurde der EU-Mission Operation Sophia im Mittelmeer unterstellt.

Sie löste dort den Tender MOSEL ab. Zu ihren Aufgaben gehörten die Überwachung der Seegebiete vor der libyschen Küste, die Aufklärung von Schleuseraktivitäten und die Unterstützung der europäischen Maßnahmen gegen den illegalen Menschenschmuggel.

Am 15. Februar 2019 kehrte die AUGSBURG nach knapp fünfmonatiger Abwesenheit vorzeitig nach Wilhelmshaven zurück.

Dies war einer ihrer letzten größeren Auslandseinsätze.

Außerdienststellung

Die Fregatte AUGSBURG wurde am 18. Dezember 2019 im Marinearsenal Wilhelmshaven offiziell außer Dienst gestellt.

Damit endete eine Dienstzeit von etwas mehr als 30 Jahren. Die AUGSBURG gehörte neben der LÜBECK zu den letzten beiden aktiven Fregatten der Bremen-Klasse.

Während ihrer Laufbahn hatte sich ihr Auftrag grundlegend verändert. Sie war als U-Boot-Jagdfregatte des Kalten Krieges gebaut worden, entwickelte sich jedoch zu einem vielseitigen Einsatzschiff für internationale Missionen, Geleitschutz, Seeraumüberwachung, Pirateriebekämpfung und maritime Sicherheitsoperationen.

Verbleib

Nach ihrer Außerdienststellung verblieb die ehemalige AUGSBURG zunächst aufgelegt in Wilhelmshaven.

Ein anschließender Verkauf, eine Verschrottung oder eine anderweitige endgültige Verwendung ist in den derzeit ausgewerteten belastbaren Quellen nicht eindeutig nachgewiesen. Deshalb wird für den Schiffsfinder kein weitergehender Verbleib angegeben.

Technische Daten

  • Schiffstyp: Fregatte

  • Klasse: Bremen-Klasse, Klasse 122

  • Kennung: F 213

  • Rufzeichen: DRAN

  • Bauwerft: Bremer Vulkan AG, Bremen-Vegesack

  • Kiellegung: 4. April 1987

  • Stapellauf: 17. September 1987

  • Indienststellung: 3. Oktober 1989

  • Außerdienststellung: 18. Dezember 2019

  • Heimathafen: Wilhelmshaven

  • Länge über alles: etwa 130,5 Meter

  • Breite: etwa 14,6 Meter

  • Tiefgang: etwa 6,3 Meter

  • Einsatzverdrängung: rund 3.680 Tonnen

  • Antrieb: kombinierter Diesel- und Gasturbinenantrieb, CODOG

  • Höchstgeschwindigkeit: etwa 30 Knoten

  • Reichweite: mehr als 4.000 Seemeilen bei wirtschaftlicher Fahrt

  • Stammbesatzung: rund 200 Soldatinnen und Soldaten

  • Bordluftfahrzeuge: bis zu zwei Bordhubschrauber Sea Lynx

Historische Einordnung

Die Fregatte AUGSBURG steht in besonderer Weise für den Wandel der deutschen Seestreitkräfte nach 1990.

Als sie 1989 in Dienst gestellt wurde, war ihr Hauptgegnerbild noch von sowjetischen U-Booten und dem Schutz der NATO-Nachschubwege im Atlantik geprägt. In den folgenden Jahrzehnten wurde sie jedoch überwiegend in internationalen Einsätzen fern der deutschen Küsten verwendet.

Ihre Laufbahn umfasste:

  • U-Boot-Jagd und Geleitschutz,

  • NATO-Manöver und Ausbildungsverbände,

  • Operationen am Horn von Afrika,

  • Pirateriebekämpfung,

  • Schutz eines Schiffes zur Vernichtung syrischer Chemiewaffen,

  • Einsätze gegen Schleusernetzwerke im Mittelmeer,

  • maritime Überwachung,

  • zweimaligen Schutz des französischen Flugzeugträgers CHARLES DE GAULLE.

Gerade die beiden Einsätze im französischen Flugzeugträgerverband machten die „Wilde 13“ zu einer der bekanntesten Fregatten der Bremen-Klasse.

Die AUGSBURG zeigte, dass ein ursprünglich für den Kalten Krieg entwickeltes Schiff durch Modernisierung, eine gut ausgebildete Besatzung und internationale Zusammenarbeit auch unter völlig veränderten sicherheitspolitischen Bedingungen noch über viele Jahre erfolgreich eingesetzt werden konnte.