Ursprünglich vor allem für die U-Boot-Jagd und die Sicherung alliierter Seeverbindungen im Nordatlantik vorgesehen, entwickelte sich die RHEINLAND-PFALZ im Verlauf ihrer fast 30-jährigen Dienstzeit zu einer weltweit eingesetzten Fregatte. Ihre Laufbahn führte sie von den klassischen NATO-Aufgaben des Kalten Krieges über Embargo- und Kriseneinsätze im Mittelmeer bis zur Bekämpfung der Piraterie am Horn von Afrika.
Bau und Indienststellung
Die RHEINLAND-PFALZ wurde am 25. September 1979 bei Blohm + Voss in Hamburg auf Kiel gelegt. Der Stapellauf erfolgte am 3. September 1980. Die Endausrüstung wurde anschließend beim Bremer Vulkan in Bremen durchgeführt.
Am 9. Mai 1983 wurde die Fregatte für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Sie erhielt die Kennung F 209 und das Rufzeichen DRAS. Heimathafen war während ihrer gesamten Dienstzeit Wilhelmshaven.
Namensgeber war das Bundesland Rheinland-Pfalz, das bereits beim Stapellauf die Patenschaft für das Schiff übernahm. Die Fregatte war das erste Schiff einer deutschen Marine, das den Namen RHEINLAND-PFALZ führte.
Einordnung in die Bremen-Klasse
Die Fregatten der Bremen-Klasse waren ursprünglich für die U-Boot-Jagd im Nordatlantik und in der Nordsee vorgesehen. Eine wesentliche Neuerung gegenüber älteren deutschen Fregatten war die dauerhafte Einschiffung von zwei Bordhubschraubern des Typs Sea Lynx, die insbesondere zur weiträumigen U-Boot-Jagd und Seezielaufklärung eingesetzt werden konnten.
Darüber hinaus verfügten die Schiffe über Flugkörper gegen See- und Luftziele, ein Schiffsgeschütz, Torpedos sowie umfangreiche Radar-, Sonar- und Führungsmittel. Durch Modernisierungen wurden Bewaffnung, Sensorik und Selbstschutz während der langen Dienstzeit mehrfach an veränderte Anforderungen angepasst.
Verbandszugehörigkeit
Die RHEINLAND-PFALZ gehörte zunächst zum 4. Fregattengeschwader in Wilhelmshaven. Nach strukturellen Veränderungen innerhalb der Flotte und der zeitweiligen Aufteilung der Bremen-Klasse wurden die verbliebenen Einheiten im Januar 2006 wieder im 4. Fregattengeschwader zusammengeführt.
Das Geschwader wurde anschließend der Einsatzflottille 2 unterstellt. Wilhelmshaven blieb der Heimathafen des Schiffes bis zum Ende seiner Dienstzeit.
Aufgaben während des Kalten Krieges
In den ersten Dienstjahren lag der Schwerpunkt der RHEINLAND-PFALZ auf den klassischen Aufgaben der Bundesmarine innerhalb der NATO. Dazu gehörten die U-Boot-Jagd, die Überwachung von Seegebieten, der Schutz von Geleitzügen und die Sicherung der transatlantischen Seeverbindungen.
Die Fregatte nahm regelmäßig an nationalen und internationalen Manövern sowie an zeitweiligen NATO-Flottenverbänden teil. Durch ihre kombinierte Diesel- und Gasturbinenanlage konnte sie sowohl wirtschaftlich über größere Entfernungen operieren als auch kurzfristig hohe Geschwindigkeiten erreichen.
Einsätze in der Adria
Nach dem Ende des Kalten Krieges veränderte sich das Einsatzprofil der Marine grundlegend. Zwischen 1992 und 1996 wurde die RHEINLAND-PFALZ mehrfach im Rahmen der internationalen Embargoüberwachung gegen das ehemalige Jugoslawien in der Adria eingesetzt.
Die unter NATO- und WEU-Führung durchgeführte Operation Sharp Guard diente der Überwachung und Durchsetzung der gegen Jugoslawien verhängten Sanktionen. Dabei mussten Handelsschiffe identifiziert, überprüft und gegebenenfalls zur Kontrolle umgeleitet werden.
Im Jahr 1999 wurde die RHEINLAND-PFALZ erneut in der Adria eingesetzt und unterstützte die NATO-Operation Allied Force.
DESEX und weltweite Ausbildungsfahrten
Im Jahr 2002 nahm die Fregatte gemeinsam mit der MECKLENBURG-VORPOMMERN an einer als Destroyer Exercise – DESEX bezeichneten Ausbildungsreise nach Asien teil.
Solche Fahrten dienten neben der intensiven Ausbildung der Besatzungen auch der militärischen Zusammenarbeit mit Partnernationen, der Präsenz in internationalen Seegebieten und der Vertretung Deutschlands in ausländischen Häfen.
Operation Enduring Freedom
Im Jahr 2004 beteiligte sich die RHEINLAND-PFALZ an der Operation Enduring Freedom am Horn von Afrika und im Golf von Aden.
Aufgabe der eingesetzten Marineeinheiten war die Überwachung der Seewege und die Unterstützung des internationalen Kampfes gegen den Terrorismus. Dabei wurden verdächtige Schiffsbewegungen aufgeklärt, Handelsschiffe überprüft und umfangreiche Seeraumüberwachungsaufgaben durchgeführt.
Operation Active Endeavour und GOOD HOPE II
Im Jahr 2005 nahm die RHEINLAND-PFALZ an der NATO-Operation Active Endeavour im Mittelmeer teil. Diese Operation diente der maritimen Überwachung und dem Schutz wichtiger Seewege vor terroristischen Aktivitäten.
2006 war die Fregatte Bestandteil des Einsatz- und Ausbildungsverbandes und nahm an der multinationalen Übung GOOD HOPE II mit den südafrikanischen Seestreitkräften teil. Die Ausbildung umfasste unter anderem die gemeinsame Verbandsführung, Gefechtsübungen und die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Marinen.
Operation Atalanta 2009
Zu den bedeutendsten Einsätzen der RHEINLAND-PFALZ gehörte ihre Beteiligung an der europäischen Operation Atalanta zur Bekämpfung der Piraterie vor Somalia.
Am 22. Januar 2009 lief die Fregatte in Richtung Horn von Afrika aus und löste dort die Fregatte KARLSRUHE ab. Zu ihren Aufgaben gehörten der Schutz von Handelsschiffen und Hilfslieferungen, die Begleitung gefährdeter Schiffe sowie die Aufklärung und Bekämpfung von Piratengruppen.
Am 3. März 2009 erhielt die RHEINLAND-PFALZ einen Notruf des unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahrenden Containerschiffes COURIER. Das Handelsschiff war von Piraten mit automatischen Waffen und Panzerabwehrhandwaffen angegriffen worden.
Die rund 50 Seemeilen entfernt stehende Fregatte setzte einen Bordhubschrauber Sea Lynx ein. Gemeinsam mit einem Hubschrauber des amerikanischen Kreuzers USS MONTEREY wurde das Piratenboot verfolgt und gestoppt. Ein deutsches Boardingteam nahm neun Tatverdächtige fest und stellte mehrere Waffen sicher.
Der Vorgang galt als erste Aufbringung eines feindlich handelnden Wasserfahrzeuges durch deutsche Seestreitkräfte seit dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt nahm die Besatzung der RHEINLAND-PFALZ während des Einsatzes 16 mutmaßliche Piraten in Gewahrsam und übergab sie den zuständigen Ermittlungsbehörden.
Am 30. März 2009 war die RHEINLAND-PFALZ außerdem an der Verfolgung der Piraten beteiligt, die zuvor den deutschen Betriebsstofftransporter SPESSART angegriffen hatten. Die Angreifer konnten nach einer längeren Verfolgung gestellt und festgesetzt werden.
Der Atalanta-Einsatz machte die RHEINLAND-PFALZ auch außerhalb der Marine bekannt und wurde zu einem der prägendsten Abschnitte ihrer gesamten Dienstzeit.
Unterstützung während der Libyenkrise
Während der Unruhen in Libyen im Frühjahr 2011 wurde die RHEINLAND-PFALZ gemeinsam mit weiteren deutschen Marineeinheiten zur Unterstützung von Evakuierungs- und Hilfsmaßnahmen eingesetzt.
Zusammen mit der Fregatte BRANDENBURG und dem Einsatzgruppenversorger BERLIN beteiligte sie sich unter anderem am Transport ägyptischer Staatsangehöriger aus Tunesien nach Alexandria. Damit übernahm die Fregatte neben militärischen Aufgaben auch eine humanitäre Unterstützungsfunktion.
Letzter internationaler Einsatz
Am 1. Februar 2012 verließ die RHEINLAND-PFALZ Wilhelmshaven zu ihrer letzten Teilnahme an einem internationalen Marineverband. Sie wurde der Standing NATO Maritime Group 1 zugeteilt und operierte unter anderem im Mittelmeer.
Nach Abschluss dieses Einsatzes kehrte die Fregatte nach Wilhelmshaven zurück. Am 11. September 2012 wurde sie aus der Fahrbereitschaft und dem aktiven Dienst genommen. Die Dienstgeschäfte wurden bis zur formellen Außerdienststellung durch den Ersten Offizier weitergeführt.
Außerdienststellung
Die offizielle Außerdienststellung der RHEINLAND-PFALZ erfolgte am 22. März 2013 im Marinearsenal Wilhelmshaven.
Damit endete eine Dienstzeit von annähernd 30 Jahren. Die Fregatte hatte während ihrer Laufbahn rund 800.000 Seemeilen zurückgelegt, mehr als 100 Häfen beziehungsweise Städte in etwa 50 Ländern besucht und rechnerisch etwa 38 Erdumrundungen absolviert.
Mit der Außerdienststellung endete auch die über Jahrzehnte gepflegte Patenschaft mit dem Bundesland Rheinland-Pfalz.
Verbleib
Nach ihrer Außerdienststellung lag die ehemalige Fregatte zunächst in Wilhelmshaven. Im Jahr 2017 wurde sie durch die Verwertungsgesellschaft des Bundes zur Verschrottung verkauft.
Im Dezember 2017 wurde die RHEINLAND-PFALZ zur Abwrackwerft im türkischen Aliağa überführt und dort abgewrackt.
Der traditionsreiche Name blieb der Deutschen Marine erhalten. Die vierte Fregatte der Baden-Württemberg-Klasse, Klasse 125, wurde erneut auf den Namen RHEINLAND-PFALZ getauft.
Technische Daten
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Schiffstyp: Fregatte
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Klasse: Bremen-Klasse, Klasse 122
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Kennung: F 209
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Rufzeichen: DRAS
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Bauwerft: Blohm + Voss, Hamburg
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Endausrüstung: Bremer Vulkan, Bremen
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Kiellegung: 25. September 1979
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Stapellauf: 3. September 1980
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Indienststellung: 9. Mai 1983
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Außerdienststellung: 22. März 2013
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Länge über alles: etwa 130,5 Meter
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Breite: etwa 14,6 Meter
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Tiefgang: etwa 6,3 Meter
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Einsatzverdrängung: rund 3.700 Tonnen
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Antrieb: kombinierter Diesel- und Gasturbinenantrieb – CODOG
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Höchstgeschwindigkeit: etwa 30 Knoten
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Besatzung: rund 200 bis 220 Soldaten, abhängig von Einsatz und Einschiffungen
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Bordluftfahrzeuge: bis zu zwei Bordhubschrauber Sea Lynx
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Heimathafen: Wilhelmshaven
Historische Einordnung
Die Fregatte RHEINLAND-PFALZ steht beispielhaft für den Wandel der Bundesmarine und späteren Deutschen Marine vom auf die Landes- und Bündnisverteidigung ausgerichteten Flottenverband des Kalten Krieges zu einer weltweit eingesetzten Einsatzmarine.
Ihre Dienstzeit umfasste nahezu das gesamte Aufgabenspektrum der modernen Marine: U-Boot-Jagd, Geleitschutz, NATO-Manöver, Embargoüberwachung, Terrorismusbekämpfung, Piraterieabwehr, humanitäre Hilfe und Evakuierungsunterstützung.
Besonders der Einsatz am Horn von Afrika im Jahr 2009 machte die RHEINLAND-PFALZ zu einem der bekanntesten Schiffe der Bremen-Klasse. Die dortigen Ereignisse gehören zu den markantesten Einsatzgeschichten der Deutschen Marine nach 1990.