Die SACHSENWALD war kein Minensuchboot, sondern ein Spezialschiff für den Nachschub und das Legen von Seeminen. Gemeinsam mit ihrem Schwesterschiff A 1438 STEIGERWALD unterstützte sie vor allem die Minenstreitkräfte in der Ostsee. Beide Schiffe waren über viele Jahre in Flensburg-Mürwik stationiert und eng mit dem 1. Minensuchgeschwader verbunden.
Bau und Indienststellung
Die SACHSENWALD wurde auf der Hamburger Werft H. C. Stülcken Sohn auf Kiel gelegt. Nachdem die Stülcken-Werft 1966 von Blohm + Voss übernommen worden war, wurde der Bau dort fertiggestellt.
Am 20. August 1969 wurde die SACHSENWALD gemeinsam mit ihrem Schwesterschiff STEIGERWALD für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Sie erhielt die Kennung A 1437.
Zur Sachsenwald-Klasse gehörten:
A 1437 SACHSENWALD
A 1438 STEIGERWALD
Der Name SACHSENWALD bezog sich auf das große Waldgebiet östlich von Hamburg in Schleswig-Holstein.
Auftrag als Minentransporter
Die Hauptaufgabe der SACHSENWALD bestand darin, Seeminen aus Marinedepots zu übernehmen und zu den Minenabwehr- und Minenlegeverbänden der Bundesmarine zu transportieren.
Sie konnte unterschiedliche Minentypen aufnehmen und in ihren geschützten Laderäumen befördern. Dazu gehörten je nach Auftrag:
Die Minen mussten während der Fahrt sicher gelagert und gegen Stöße, Verrutschen, Feuchtigkeit und unzulässige Temperaturveränderungen geschützt werden.
Der Transport von Seeminen stellte besonders hohe Anforderungen an die Besatzung. Beim Laden, Stauen und Entladen galten strenge Sicherheitsbestimmungen. Offenes Feuer, Funkenbildung und unkontrollierte elektrische Arbeiten waren in den gefährdeten Bereichen ausgeschlossen.
Minenlegen über das Heck
Die SACHSENWALD war nicht nur ein Transportschiff. Sie konnte die mitgeführten Minen auch selbst ausbringen.
Im Inneren des Schiffes befanden sich Gleise und Transportvorrichtungen, auf denen die Minen durch die Laderäume bis zum Achterdeck bewegt werden konnten. Der Aufbau erinnerte in Teilen an das Ladedeck einer Eisenbahnfähre.
Beim Minenlegen wurden die vorbereiteten Waffen nacheinander über das Heck ins Wasser gegeben. Dabei musste das Schiff einen vorher genau berechneten Kurs mit gleichbleibender Geschwindigkeit fahren.
Abstand, Reihenfolge und Position der Minen bestimmten die Wirkung der späteren Sperre. Navigation und Schiffsführung mussten deshalb äußerst präzise arbeiten.
Die Lage jeder ausgelegten Mine wurde dokumentiert. Eigene Schiffe und verbündete Einheiten mussten wissen, wo sich die Sperren befanden und welche sicheren Wege weiterhin genutzt werden konnten.
Bedeutung von Seeminen
Seeminen gehören zu den wirkungsvollsten Waffen der Seekriegführung. Bereits eine vergleichsweise geringe Anzahl kann Hafenzufahrten, Meerengen und wichtige Schifffahrtswege blockieren.
In der Ostsee waren Minensperren wegen der engen Fahrwasser, der zahlreichen Inseln und der begrenzten Wassertiefen von besonderer militärischer Bedeutung.
Die SACHSENWALD konnte Minen in kurzer Zeit an den vorgesehenen Einsatzort bringen und dort auslegen. Dadurch war sie ein wichtiger Bestandteil der deutschen Verteidigungsplanung während des Kalten Krieges.
Während Minensuch- und Minenjagdboote gegnerische Sperren beseitigen sollten, war die SACHSENWALD für den Aufbau eigener Minensperren vorgesehen.
Dienst bei den Versorgungseinheiten
Nach ihrer Indienststellung gehörten die beiden Schiffe der Sachsenwald-Klasse zunächst kurzzeitig zur Versorgungsorganisation der Bundesmarine.
Sie waren dem Trossschiffverband beziehungsweise dem 1. Versorgungsgeschwader zugeordnet. Ihre besondere Aufgabe unterschied sie jedoch deutlich von gewöhnlichen Versorgern und Betriebsstofftransportern.
Bereits nach kurzer Zeit wurden die beiden Minentransporter der Flottille der Minenstreitkräfte unterstellt.
1. Minensuchgeschwader in Flensburg
Ab 1972 gehörte die SACHSENWALD zum 1. Minensuchgeschwader in Flensburg-Mürwik.
Der Verband verfügte neben seinen Minensuchbooten und dem Tender damit über ein eigenes Schiff für den Transport und das Ausbringen von Seeminen. Die SACHSENWALD und die STEIGERWALD erweiterten die Fähigkeiten des Geschwaders erheblich.
Der Marinestützpunkt Flensburg-Mürwik war für den Einsatz in der westlichen Ostsee besonders günstig gelegen. Von dort konnten die Schiffe schnell die Flensburger Förde, die dänischen Meerengen und weitere militärisch wichtige Seegebiete erreichen.
Die SACHSENWALD wurde über viele Jahre zu einem vertrauten Bestandteil des Flensburger Marinestützpunktes.
Zusammenarbeit mit den Minensuchbooten
Die Aufgaben der SACHSENWALD ergänzten die Arbeit der Minensuchboote.
Während sie eigene Minensperren vorbereitete und auslegte, trainierten die Minensuchboote das Räumen gegnerischer Sperren. Bei größeren Übungen konnten beide Bereiche miteinander verbunden werden.
Die SACHSENWALD transportierte Übungsminen in das vorgesehene Seegebiet und brachte sie nach einem festgelegten Plan aus. Anschließend suchten und räumten die Minensuchboote die Sperre unter Übungsbedingungen.
Damit konnten vollständige Abläufe der Minenkriegführung trainiert werden:
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Vorbereitung und Transport der Minen,
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Berechnung einer Sperre,
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verdecktes oder schnelles Minenlegen,
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Kennzeichnung und Dokumentation,
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Suche nach den Minen,
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sowie das anschließende Räumen des Fahrwassers.
Geschützte Laderäume
Die Minenbereiche der SACHSENWALD waren auf den sicheren Transport explosiver Ladung ausgelegt.
Die Laderäume verfügten über besondere Belüftungs-, Überwachungs- und Brandschutzeinrichtungen. Die Temperatur musste kontrolliert und jede mögliche Zündquelle vermieden werden.
Der Zugang von außen führte durch eine ABC-Schleuse mit Dekontaminierungsmöglichkeiten. Dadurch sollte die Besatzung auch unter Bedingungen atomarer, biologischer oder chemischer Bedrohung weiterarbeiten können.
Die Unterteilung des Schiffes und die technische Ausstattung sollten verhindern, dass sich ein Brand oder eine Beschädigung unkontrolliert auf sämtliche Minenbereiche ausbreitete.
Lade- und Transportanlagen
Die Minen wurden mit Kränen an Bord gehoben und anschließend auf speziellen Transportwagen innerhalb des Schiffes bewegt.
Schienen und Führungen verbanden die Übernahmestellen mit den einzelnen Lagerbereichen und der Minenlegeeinrichtung am Heck.
Diese Konstruktion ermöglichte einen weitgehend geordneten und sicheren Transport schwerer Minen durch das Schiff. Gleichzeitig konnten die Waffen beim Minenlegen in der vorgesehenen Reihenfolge bereitgestellt werden.
Die Decksmannschaft, das Ladepersonal und die Angehörigen der Minendienste mussten dabei genau zusammenarbeiten. Jede Mine musste überprüft, vorbereitet und eindeutig gekennzeichnet sein.
Technische Daten
Kennung: A 1437
Name: SACHSENWALD
Klasse: 762
Klassenbezeichnung: Sachsenwald-Klasse
Typ: Minentransporter und Minenleger
Bauwerft: H. C. Stülcken Sohn beziehungsweise Blohm + Voss, Hamburg
Indienststellung: 20. August 1969
Außerdienststellung: 26. September 1991
Heimathafen: Flensburg-Mürwik
Verband: zuletzt 1. Minensuchgeschwader
Länge: rund 111 Meter
Breite: etwa 13,9 Meter
Tiefgang: rund 3,4 Meter
Verdrängung: etwa 2.962 Tonnen
Antrieb: zwei Dieselmotoren
Leistung: jeweils rund 2.800 PS
Anzahl der Wellen: zwei
Propeller: zwei Verstellpropeller
Höchstgeschwindigkeit: etwa 17 Knoten
Besatzung: rund 65 Soldaten.
Antrieb und Manövrierfähigkeit
Die SACHSENWALD wurde von zwei Dieselmotoren mit jeweils rund 2.800 PS angetrieben.
Jeder Motor wirkte über eine eigene Welle auf einen Verstellpropeller. Mit diesen Propellern konnte die Schubrichtung und -stärke verändert werden, ohne die Drehrichtung der Motoren ständig wechseln zu müssen.
Das Schiff erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 17 Knoten.
Beim Minenlegen war jedoch nicht die Höchstgeschwindigkeit entscheidend. Wichtig war vielmehr, einen genau berechneten Kurs und eine konstante niedrige Geschwindigkeit einzuhalten.
Schon kleine Abweichungen hätten die vorgesehenen Abstände zwischen den Minen verändert und damit die geplante Wirkung der Sperre beeinträchtigen können.
Bewaffnung und Eigenschutz
Die SACHSENWALD war kein klassisches Kampfschiff, verfügte jedoch über eine Bewaffnung zum Eigenschutz.
Zur ursprünglichen Ausrüstung gehörten zwei 40-mm-Breda-Doppellafetten. Eine befand sich auf dem Vorschiff, die andere im achteren Bereich.
Die Geschütze konnten gegen Luftziele und kleinere Überwassereinheiten eingesetzt werden.
In den 1980er-Jahren wurden beide Schiffe der Klasse modernisiert. Sie erhielten zusätzliche Einrichtungen zur elektronischen Aufklärung und zum Schutz gegen gegnerische Flugkörper.
Dazu gehörten Düppelraketenwerfer des Typs Breda. Die ausgestoßenen Metallstreifen erzeugten auf gegnerischen Radargeräten Scheinziele und sollten anfliegende radargelenkte Flugkörper vom Schiff ablenken.
Umbauten in den 1980er-Jahren
Im Rahmen einer Modernisierung wurde die offene Brücke verändert und teilweise geschlossen.
Hinter der Brücke entstand ein zusätzlicher Raum für elektronische Unterstützungsmaßnahmen. Dort konnten gegnerische Radar- und Funkaussendungen erfasst und ausgewertet werden.
Auf beiden Seiten des Oberdecks wurden Plattformen für die neuen Düppelwerfer angebracht. Ihre Bedienung erfolgte aus dem Raum für elektronische Kampfführung.
Diese Maßnahmen sollten die Überlebensfähigkeit des Minentransporters verbessern. Wegen seiner großen Menge explosiver Ladung wäre die SACHSENWALD in einem Konflikt ein besonders wichtiges und gefährdetes Ziel gewesen.
Leben an Bord
Die Besatzung der SACHSENWALD bestand aus rund 65 Soldaten.
Im Vergleich zu den kleinen Minensuchbooten bot das Schiff mehr Raum. Dennoch bestimmten die großen Lade- und Minenbereiche einen erheblichen Teil der Konstruktion.
Der Bordalltag umfasste:
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Brücken- und Maschinenwachen,
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Pflege und Wartung der Ladeeinrichtungen,
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Überwachung der Munitionsräume,
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Ausbildung im Minendienst,
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Brand- und Leckabwehr,
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ABC-Abwehr,
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Artillerieausbildung,
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sowie den allgemeinen Schiffsbetrieb.
Beim Umgang mit den Minen war besondere Disziplin erforderlich. Jeder Arbeitsschritt musste nach festen Vorschriften ausgeführt werden.
Die gesamte Besatzung musste wissen, wie sie bei einem Brand, einem Wassereinbruch oder einer Beschädigung der Ladung zu reagieren hatte.
Übungen und Geschwaderfahrten
Während ihrer Dienstzeit nahm die SACHSENWALD an zahlreichen nationalen und internationalen Übungen teil.
Sie operierte vor allem in der Ostsee, der Nordsee und den dänischen Gewässern. Darüber hinaus nahm sie an Geschwaderfahrten und Hafenbesuchen in weiteren europäischen Seegebieten teil.
Bei Minenlegeübungen musste die Besatzung die gesamte Kette vom Übernehmen der Waffen bis zum Ausbringen einer vollständigen Sperre beherrschen.
Die Zusammenarbeit erfolgte unter anderem mit:
Die Übungen dienten sowohl der Landesverteidigung als auch der gemeinsamen Ausbildung innerhalb der NATO.
Die letzten Dienstjahre
Gegen Ende der 1980er-Jahre veränderten sich die militärischen Anforderungen.
Moderne Minen konnten zunehmend auch von anderen Schiffen, Booten und Luftfahrzeugen ausgebracht werden. Gleichzeitig waren die beiden Schiffe der Sachsenwald-Klasse technisch über 20 Jahre alt.
Mit dem Ende des Kalten Krieges verringerte sich zudem der Bedarf an großen, ausschließlich für das Minenlegen vorgesehenen Spezialschiffen.
Die SACHSENWALD blieb dennoch bis 1991 beim 1. Minensuchgeschwader im Einsatz.
Außerdienststellung
Am 26. September 1991 wurde A 1437 SACHSENWALD nach mehr als 22 Dienstjahren außer Dienst gestellt.
Damit endete ihre Laufbahn in der Bundesmarine. Das Schwesterschiff STEIGERWALD blieb noch bis 1993 im Dienst.
Nach ihrer Außerdienststellung wurde die SACHSENWALD an die VEBEG übergeben. Die bundeseigene Verwertungsgesellschaft war für den Verkauf und die Verwertung ausgemusterter Schiffe und Fahrzeuge zuständig.
Verbleib
Die ehemalige SACHSENWALD wurde nach ihrer Außerdienststellung zum Abbruch verkauft.
Das Schiff gelangte nach Belgien und wurde dort verschrottet. Eine museale Erhaltung oder eine Übernahme durch eine andere Marine erfolgte nicht.
Damit ist keines der beiden Schiffe der Sachsenwald-Klasse erhalten geblieben.
Bedeutung der SACHSENWALD
Die SACHSENWALD erfüllte eine Aufgabe, die außerhalb der Marine nur wenig sichtbar war.
Seeminen konnten Häfen, Fahrwasser und Meerengen sperren und damit die Bewegungsfreiheit eines Gegners erheblich einschränken. Die Möglichkeit, solche Sperren schnell aufzubauen, war ein wichtiger Bestandteil der Verteidigungsplanung während des Kalten Krieges.
Die SACHSENWALD verband den sicheren Transport großer Mengen Seeminen mit der Fähigkeit, diese selbst auszubringen.
Ihre über zwei Jahrzehnte lange Dienstzeit beim 1. Minensuchgeschwader machte sie zu einem festen Bestandteil der Minenstreitkräfte in Flensburg.
Kameraden für Kameraden
Die SACHSENWALD war ein Spezialschiff mit einer besonders verantwortungsvollen Aufgabe.
Ihre Besatzung transportierte explosive Ladung, bereitete Minen für den Einsatz vor und brachte sie nach exakt berechneten Plänen aus. Jeder Fehler beim Laden, Lagern oder Verlegen hätte schwerwiegende Folgen haben können.
Brücke, Maschine, Minendienst, Decksmannschaft und Waffenpersonal mussten deshalb jederzeit eng zusammenarbeiten.
Die langen Jahre in Flensburg, die gemeinsamen Übungen mit den Minensuchbooten und der verantwortungsvolle Umgang mit den Seeminen prägten mehrere Generationen von Besatzungsangehörigen.
Die Produkte zur A 1437 SACHSENWALD erinnern an das Typschiff der Klasse 762, an seine mehr als 22-jährige Dienstzeit bei den Minenstreitkräften und an alle Kameraden, die auf diesem Minentransporter und Minenleger gefahren sind.